Johannes© elcappuccino - last update: Sept 2003 | ||
Das Johannes EvangeliumEine kommentierte Darstellung
Sektion
Johannes Evangelium Kapitel 1 bis 3 |
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Vorwort zu dieser Arbeit |
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Zum TextDiese Arbeit stellt zur Abwechslung den Text der Zürcherbibel dar. Die zweite Ausgabe von 1954 beruht auf der Ausgabe von 1931. ist eine revidierte Fassung der Zwinglibibel, welche zuerst in den Jahre 1524 bis 29 in Zürich beim Buchdrucker Froschauer herauskam. Es kann also nicht die Rede sein, dies sei die Bibel nach Huldrich Zwingli. Dies ist auch gar nicht der Grund dieser Textwahl. | ||||
Zur TextunterscheidungStellen aus dem Johannesevangelium in der Zwinglibibel erscheinen wie folgt:
Dennoch greife ich, wo es um die Diskussion textkritischer Stellen geht, auf andere Ausgaben zurück. Manchmal ist es notwendig, den textkritischen Aparatus zu konsultieren. Hierfür sind mir Nestle-Aland zur Hand. Textkritische Anmerkungen erscheinen wie folgt:
Meine eigenen Kommentare erkennen sie an einer gewissen schlanken Blässe. |
Weitere Quellen im Netz zum Thema Textkritik: Weiter finden Sie hier einige Off-Topic Hinweise | |||
Stellenwert des Evangeliums |
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Im Neuen TestamentWir kennen vier Evangelien im Neuen Testament. Markus, Mathäus und Lukas fallen dadurch auf, dass sie viel Material gemeinsam haben. Man nennt sie deshalb die Synoptiker. Das Johannesevanglium aber ist der Sonderling darin. Nicht nur, dass es auf diese Materialteilung verzichtet, es erzählt nicht nur Sondergut, sondern erscheint als ganz anderes Evangelium. Es steht am ende der Entwicklung, am äusseren Pol. Die Forschung ist relativ einhellig darin, dass dieses Evangelium als letztes der vier entstanden sein muss. Der Sonderling unter den vier aber ist nicht nur Sondergut, es gibt darin Elemente, welche die (synoptischen) Aussagen widersprechen. Dies ist etwa der Fall in der Frage der Zeit de Auftritts Jesu, oder über die Frage des Abendmahls, ob es ein Passa war, oder ein normales Mahl. Wenn immer die Kirchenväter von den kanonischen Evangelien sprachen, sprachen sie von Mathäus Markus Lukas und Johannes. Es bekümmerte sie nicht, auf solche Widersprüche zu sehen. Für sie war es das apostolische Zeugnis, und sie anerkannten als Verfasser dieses Evangeliums Johannes, den Apostel. Das Apostolische Zeugnis, dessen Autorität überwog sämtliche Zweifel, die aus dem Versuch der Lösung solcher Widersprüche kommen konnte. Ist dies erstaunlich: Egentlich ist nicht nur das Johannesevangelium ein Sonderling. Wir haben auch Widersprüche zwschen den Synoptiken, am Augenfälligsten etwa im Stammbaum Jesu. Die Kirchenväter waren damals nicht bemüht, solche Widersprüche zu isolieren. Im Gegenteil waren sie vielmehr im Konflikt mit Häretikern, welche eine andere Theologie vertraten. Im Zweiten Jh. etwa waren es die Marcioniten, welche den Katholizismus ernsthaft bedrohten. Marcion etwa sagte, dass der Erlöser und der Schöpfer nicht der gleiche Gott seien. Andere Häretiker hatte ein Bild, dass der Christus überhaupt nicht eine historische Person gewesen sei, als nicht "im Fleische" kam. |
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Zum Alten TestamentIm Anfang war das Wort..... ist der Schlüsselbegriff der Aufnahme des Anfangs im AT. Johannes nimmt die Idee des AT auf, verbindet Jesu Botschaft von Anfang an. Dieses Evangelium lädt ein, das AT, die Torah und die Propheten zu lesen. Es handelt sich nicht um einen Neuanfang, der das alte tilgt, sondern es ist das Licht, das in die Finsternis des alten scheint, es beleuchtet und neu mit Sinn erfüllt. Das Johannesevangelium in frühen ZeugenDie frühesten Kanonischen Mitteilungen stammen vom Muratori Fragment (um 170). The fourth of the Gospels is that of John, one of the disciples. To his fellow disciples and bishops, who had been urging him to write, he said, Fast with me from today to three days, and what will be revealed to each one let us tell it to one another. In the same night it was revealed to Andrew, one of the apostles, that John should write down all things in his own name while all of them should review it. And so, though various elements(d) may be taught in the individual books of the Gospels, nevertheless this makes no difference to the faith of believers, since by the one sovereign(e) Spirit all things have been declared in all the Gospels: concerning the nativity, concerning the passion, concerning the resurrection, concerning life with his disciples, and concerning his twofold coming; the first in lowliness when he was despised, which has taken place, the second glorious in royal power, which is still in the future. What marvel is it then, if John so consistently mentions these particular points also in his epistles, saying about himself, What we have seen with our eyes and heard with our ears and our hands have handled, these things we have written to you? For in this way he professes himself to be not only an eye-witness and hearer, but also a writer of all the marvelous deeds of the Lord, in their order. Was aus diesem Abschnitt hervorgeht: Johannes habe dies mit Zustimmung der Apostel geschrieben, ist ein wichtiges Statement in einer Zeit, da die Kirche besonders mit den Marcioniten ob dem Wert der apostolischen Sukzession stritt. Mehr noch geht das Zugeständnis hervor, dass es Unterschiede in den Evangelien gibt. Diese werden aber quasi apostolisch abgesegnet. Von Origenes (zum Teil via Eusebius von Cesarea), als aus der Zeit nach Marcion. Wir haben keinen kanonische Mitteilungen früher als die Zeit der stärksten Auseinandersetzung. Mathäus und Markus etwa sollten mit Stammbäumen gegen die Annahme antreten, Jesu sei gar nicht als dividianischer Messias aufgetreten, also nicht aus dem AT und dem Segen Judas legitimiert. Die Stammbäume heben noch einen nebeneffekt gegen den Vorwurf, jesus sei gar kein Jude gewesen, oder schon gar nicht aus einer legitimen Beziehung. Es fällt auf dass Lukas die Frage nach der Legitimität nicht ausklammern kann, sondern sie eben mit dem Stammbaum legitimiert. Aus der Gnosis konnte die Theologie stammen, Jesu habe einen anderen als den Schöpfergott gepredigt. Dies wird schon zu beginn im Johannesevangelium beantwortet. Mehr noch stellt das Johannesevangelium im Lichte des jüdischen Festzyklus dar. Mehr legitimistisch einkleiden (oder ihn so verstehen) kann man eigentlich nicht. Umstritten ist der Zusammenhang des Evangeliums zu anderen johannitischen Schriften. Während noch Origenes darauf hinwies, dass die Offenbarung und das Evangelium aus stilistischen Gründen unmöglich von der geleichen Hand sein könnten, ging dies mit der Zeit vergessen, und viele erachteten die zwei Schriften als vom gleichen Apostel herrührend. | ||||
Glaubwürdigkeit des Johannesevangeliums |
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Eine weitere Schwierigkeit besteht auch für Johannes, indem sich andere Angaben zum Auftritt des Johannes des Täufers jeder gewohnten Chronologie entzeihen, so dass man entweder gezwungen ist, diese anderen Angaben zu entwerten, oder doch die Chronologie des Apostels in Frage zu stellen. Ein weiteres Argument für Johannes ist die akurate angabe über den Teich Bethesda, wo Jesus einen Lahmen heilt. Man grub diesen Teich aus und fand seine Anordnung entsprechend der Beschreibung im Johannesevangelium. Mit anderen Worten: es liegt ein lokales Zeugnis vor und der Autor kannte die lokalen Verhältnisse. LazarusVerdacht kommtauf bezüglich Sondergut, das gemessen an der Bedeutung nicht Sondergut ausserhalb der Synopse hätte bleiben dürfen: Die Auferweckung des Lazarus. Warum finden wir diese Geschichte nur in Johannes. Ist sie authentisch? Wohl kaum. Sie ist Literatur. Wir finden Lazarus wohl im Lukasevangelium angesprochen, freilich nicht als Auferstehungsgeschichte, sondern als Geschichte eines Menschen der gestorben ist. Lazarus Auferweckung wird uns noch in der Abschrift eines Fragment des Clemens an Theodorus erzählt, welches Morton Smith entdeckt hatte, welches aber um seiner Entdeckungsumstände willen dubios bleibt. "Und sie kamen nach Bethanien, und eine gewisse Frau, deren Bruder gestorben war, war dort. Und herzu kommend, warf sie sich vor Jesus nieder und sagte zu ihm: 'Sohn Davids, habe Erbarmen mit mir.' Aber die Jünger wiesen sie zurück. Und Jesus, der in Wut geriet, ging mit ihr in den Garten, wo das Grab war, und sogleich wurde ein lauter Schrei aus dem Grab gehört. Und näher tretend, rollte Jesus den Stein vom Eingang des Grabes weg. Und sogleich ging er hinein, wo der Jüngling war, streckte seine Hand aus und zog ihn hoch, indem er dessen Hand ergriff. Aber der Jüngling, als er ihn ansah, liebte ihn und fing an, ihn anzuflehen, daß er bei ihm sein möge. Und sie gingen aus dem Grab heraus und kamen in das Haus des Jünglings, denn er war reich. Und nach sechs Tagen sagte ihm Jesus, was er tun solle, und am Abend kommt der Jüngling zu ihm, ein leinenes Tuch über [seinem] nackten [Körper] tragend. Und er blieb diese Nacht bei ihm, denn Jesus lehrte ihn das Geheimnis des Reiches Gottes. Und von da erhob er sich und ging auf die andere Seite des Jordans zurück." Es ist schwer zu urteilen (vor allem ob dem Verschwinden von der durch M.Smith photographerten Abschrift), welche Autorität dieser Mitteilung überhaupt gegeben werden soll. Die Diskussion wird deshalb vermieden. Zweifellos kann man in Rücksicht auf das Johannesevangelium hier die Lazarusgeschichte erkennen, aber eben nur in Rücksicht auf Johannes und nicht auf das Markusevangelium, zu dem es eine Ergänzung (oder spätere Unterlassung) gewesen sein soll. Der Zeuge vor Ort - SonderlegitimationIn vielem ist das Evangelium Literatur und nicht Augenzeugenbericht. So wird der Liebling der Jünger als Zeuge in den unmöglichsten Orten angetroffen, wohl um zu erklären, wie er denn sein Zeugnis erhält. Er erzählt Jesu Worte an die Samaritanerin in der Abwesenheit der Jünger, Wir finden ihn am Kreuz mit der Mutter Jesu Joh.19,26 (gegen die Aussage der Synopse, die Jünger hätten sich verborgen). Wir fragen, wie Johannes erfuhr, welche Worte Pilatus an Jesus im Amthaus sprach. Diese Präsenz des Jüngers an den Tatorten soll wohl eher beantworten, inwiefern die Apostel bessere Augenzeugen seien als etwa Paulus. Es gehört dies in eine Zeit, als die apostolische Autorität in Frage gestellt war. 1815 Simon Petrus aber und ein anderer Jünger folgten Jesus nach. Voila, und wir wissen nun, wie die Jünger erfuhren, was bei Hannas gesprochen wurde. Aber wer ist dieser Jünger, welcher dem schlüsselgewaltigen Himmelstoröffner die Türe öffnen kann (um ihn lediglich in den Vorhof einzulassen)? Etwas ist doch merkwürdig: Judas der das geld verwaltete soll hier Petrus die Tür öffnen. Erinnert dies nicht an die Polemik um Petrus und Paulus, Paulus dem vorgeworfen wird, sich durch Geldsammlungen in die Gemeinde eingeschlichen zu haben? Dies ist nun aber nicht eindeutig. Judes der Geldsammler und Zelot begründet sich aus der Sammlung für den Freiheitskampf. Die Zeloten hatten ein anderes Interesse als die Priesterpartei. Ein Judas mochte von den Zadokkiten zugelassen worden sein, nicht aber von den Boethusäern, die ihre Wohlstandsmaschine nicht den Eiferern opfern wollten. Konnte der Jünger und Bekannte des Hohepriesters ein Paulus nach Apg sein? Die Widrsprüche sind nicht aufzulösen, denn ein so enger Kontakt zwischen Pharisäern und Boethusäern (ein anderes Wort für Sadduzäer) in dieser Sache.... Hier wird mit eine Sonderermächtigung gespielt: besondere Zuneigung, besondere Zulass, besonderes Wissen.... Dieses übersteigt die allgemeine apostolische Autorität. Es ist nicht apostolische Autorität, die dem Autor am Herzen legt, sondern eine besondere individuelle Autorität als besserer weil intimer vertrauter Apostel. Auch er unterminiert die Autorität des Petrus, der die Salbung von oben verlangt. Als Antwort lässt er Jesu die Füsse waschen. Man beachte dazu auch den Wettlauf zwischen dem Jünger und Petrus zum leeren Grab. Er erwähnt wichtige Elemente wie die Brot und Wein Zeremonie überhaupt nicht. Er unterschlägt auch Elemente, die zu wissen nur Jakobus Johannes und Petrus anvertraut waren: die Verklärung am Berg. Eine spätere Ergänzung lässt Petrus fragen: was wird aus diesem, Johannes bedeutend. All dies zeigt, dass es sich bei den Auslassungen nicht um Auslassungen des Umfanges zuwillen handelt, sondern dass aus dem Autorenkreis ein Zwiespalt zur Autorität des Petrus besteht. Dieses Evangelium scheint sich selbt gegen eine bestehende apostolische Majorzmeinung verteidigen zu müssen. Schauen wir nun neulich auf das Muratori Fragment, welches uns weismacht, dass die Apostel insgesamt Johannes beauftragten, so wird der Punkt noch verdächtiger. Dieses Evangelium musste sich apostolische Autorität gewinnen, weil es einen Teil der apostolischen Autorität angriff. Nachdem wir 21,20ff erfahren haben, dass der Jünger bleiben soll, bis er wiederkomme, und sich das Gerücht verbreitete, er würde nicht sterben, lesen wir zum Schluss des Evangliums 2124 Das ist der Jünger, der von diesen Dingen zeugt und dies geschrieben hat; Die Zwingliredaktoren erwähnen, dass das 21. Kapitel von späterer Hand sei. Unter dieser Prämisse sei festgestellt: Ich frage mich: Wenn man die Muratori These annehmen soll, Johannes habe dies durch apostolischen Beschluss geschrieben, warum lesen wir nicht eine Schlussformel die diesem ausdrücklich gerecht würde, da doch die Zeit eine solche Erklärung legitimieren würde? Aber, wenn Muratori einen apostolischen Beschluss zugrundelegt, dann liegt kein Grund vor, warum der Jünger bleiben soll, bis Jesus wiederkäme, um damit eine Sonderautorität gegenüber Petrus auszudrücken. Mehrheitlich wird das Joh.Ev. um 85 datiert. Diese Angabe hat aber kein wirkliches Argument ausser dem einer Synopse auf Vertrauen. Auch in diesem Fall ist unser Johannes ein Alter Mann. Man fragt sich, welche Apostel den Benjamin bis in diese Zeit begleitet haben sollen, um dem Muratori Fragment genüge zu tun. Im 21.Kapitel wird erzählt, dass die Apostel fischen gehen. Sie fangen nichts an diesem Tag, da ruft ihnen Jesus vom Ufer zu sie sollten auf der anderen Seite des Schiffes die Netze auswerfen. Was soll man daraus schliessen: Sind nun die akuraten Darstellungen bezüglich Zeit Gewähr für den Zeugen? Oder zeigt dies nicht lediglich, dass der Autor fähig war, einen relative widerspruchsfreien Ablauf unter Kenntnis des pharisäischen Zyklus zu rekonstruieren? | ||||
Die Feinde des Verfassers, Zelot oder Pazifist?Das Evangelium ist mehr denn jedes andere eine Streitschrift. Nicht die Taten, die Worte Jesu und seine argumente werden aufgeführt. Hier kommt die Frage: gegen wen richtet sich die Streitschrift? Wann wird ein solches Evangelium, dass sich gegen Zelotische Aktivität abgrenzt, motiviert? Sie wird gewiss Motiviert in einer Zeit, als sich die Frage nach der politischen Ausrichtung verbreitet. Dies wäre der Fall gewesen vor 70, oder um 110 und später. Das Evangelium hätte demnach in eine Richtung dogmatisiert, die man pazifitisch, nennen kann, also wider die Zeloten um 70 oder wider die Widerstandsbewegung um Bar Kochba. Aber, und dies muss man klarstellen, das Evangelium ist kein Streitbrief. Es hat eine andere Absicht, und hier darf man fragen, ob das Evangelium eben nicht die Zustimmung der Geschichte für sich verwendet, nämlich der Fall des Tempels und das Scheitern der Zeloten nach 70, um auf dieser Basis oder historischen Legitimation ein anderes Evangelium zu predigen. |
Zur Rolle und Beziehung der Qumranschriften zur Urgemeinde um Jakobus verweise ich auf die Darstellung: | |||
Der Jünger ohne NameJohannes ist in der Synopse ein Donnersohn genannt. Das Johannesevangelium wird diesem Donnersohn zugeschrieben. Aber nirgendwo taucht in diesem Evangelium selbst dieser Name auf, sondern er bleibt anonym. Haben sich hier die Autoren gescheut, seinen Namen hinzuschreiben, weil dies unmöglich Johannes sein konnte? Oder hat der Übermitler selbst einen solchen Wandel im Glauben erfahren, dass er sich nicht mehr Johannes nennen mochte? | ||||
Aus heutiger Sicht |
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Um es überspitzt zu sagen: Früher gab es die Idee und den Anspruch im Besitz des unfehlbaren Wortes Gottes zu sein und damit die Wahrheit zu besitzen. Daraus kam der Glaubens und Tatenanspruch, der sich an dieser Wahrheit messen musste. Heute aber wissen wir, dass "Wahrheit" wohl kein Buch sein kann, sondern etwas ist, das geschieht im Menschen. Wir müssen damit Leben, dass Zweifel über die religiösen Traditionen bestehen. Ja wir wissen, dass alle verpflichtung auf eine tradierte Wahrheit Taten hervorbringten kann, die dem Gewissen doch ziemlich widersprechen. Das Gewissen als die innere Bibel (mithin gar kein so unbewegliches Buch), hat heute die Glaubensgewissheit nach schriftlichen Traditionen weitgehend ersetzt. Heute wissen wir: Wir können nicht warten bis die Textkritik über die richtige Bibelfassung entscheiden hat. Wir können auch nicht warten bis Gott, wie martialisch oder mirakalös auch immer, uns eine Wahrheit aufzwingt, die keinen Widerspruch udn Zweifel mehr erlaubt. Das Leben, die Erfahrung des Menschen, die Stimme seines Gewissens, kann nicht warten. Sie muss eine lebendige Bibel in sich selbst finden, und dieser individuellen Fassung zusprechen. Textkritische BehandlungDie Reformation legte den Grundstein für eine breitere Textkritische Behandlung der Bibel insgesamt. Ausserdem hat die Bibel an verschiedenen Bedetungen zugenommen. Wo sie ihre Anhänger aus Glauben verlor, dort gewann sie Anhänger aus den verschiedenen Studienrichtungen der Historik und der Philologie. In einem aber ist die Bibel besonders und wegen ihrem Gebrauch fast einzigartig. Sie ist ein Dokument in dem sich das "Leben" eines Textes über zweienhalb Jahrtausende nachweisen ud studieren lässt. Dieses Buch musste sich vermehrt an die Bedürfnisse seiner Leser anpassen. Die textkritische diskussion hat einige Unsicherheit bei manchem Leser hervorgebracht, muss er doch zur Kenntnis nehmen, dass der Bibeltext keineswegs gesichert ist. Der Fund älterer Textzeugen hat gezeugt, dass der Text, den man als Textus Receptus (den Text den alle empfangen haben) für die meisten reformierten Übersetzungen verwendete, nur eine Variante, ncht aber eine mindere, gemessen an alten Zeugen ist. 99% aller Textvarianten sind für das Verständnis oder die Bedeutung des Textes nicht erheblich. Vom Rest mögen einige aber eine etwas andere Nuance geben, und ganz wenige machen wirklich eine andere Aussage. Hier ein paar Beispiele.
'in der Nacht' statt 'früher' (KJV), 'Jesus' statt 'ihm' (KJV) Für mich selbstIch glaube nicht an den biblischen Gott. Ich glaube auch nicht an andere Bekenntnisse. Dennoch beschäftge ich mich seit Beginn der neunziger Jahre ausgibig mit diesem Buch. Es versteht sich, dass nicht alle teile der Bibel von mir die gleiche Aufmerksamkeit erhielten. In den letzten Jahren sind es vor allem die Torah und die Johannitischen Schriften, welchen ich mich intensiver zuwende. Mit welchem Anspruch gehen wir an ein Buch heran. Aufgewachsen damit, dass dies Gottes Wort sei, und damit unangetatet von allem Übel? Ich könnte biblisch argumentieren: dies ist das Buch des gefallenen Menschen. Es ist das Buch des Menschen, der über seinen Fall Auskunft gibt. Die Kreuzigung des Messias ist heute nicht mehr Thema der jüdischen Apologetik aus einer Sekte, sondern genereller Ausdruck des Glaubens gegenüber der Schrift in heutiger Zeit. Der Zweifel an der Heiligkeit (=unversehrtheit) der Schrift bringt nicht notwendigerweise "schlechtere" Menschen hervor, sondern zunächst mehr Fragen. Auch diese Fragen berührene der Menschen und begleiten ihn in der Selbsterkenntnis. Wenn ich von Selbsterkenntnis spreche, so spreche ich nicht von einer antwort, was der Mensch sei, woher er stamme, was seine Destination sei. Vielemehr spreche ich von dem, was in ihm drinnen ist. Alle widersprüchlichkeit, dass nichts in ihm fest ist, dass er wankt in seinen Urteilen, von denen er aus natur nicht lassen kann, ein guter Theoretiker aber schlechter Prakiker, ein Unwissender, sich von Statement zu Statement mit logischen Lianen durch den chaotischen Dschungel hangelnd. Wer sich selbst erkannt hat, nur etwas, verwirft die Bibel nicht.... Im Anfang war das Wort....... Auch die Bibel ist ein Produkt des Menschen Wort. Sie ist ein Zeugnis des Menschen in allen Fazetten. Wie immer wir über die Bibel denken, oder über uns selbst, ob wir zur Hölle verflchen oder uns neben gott oder anstatt Gott setzen, wir tun es mit dem Wort und im Wort, das alles Werten hervorbringt. Selbst im Kreuzigen dieses Wortes erfahren wir dies im Wort und selbst im grössten Zweifel drin liegt der fruchtbare Keim...... Dieses Wort bringt Bibeln und Bücher wie Sand am Mehr hervor, keines ist exklusiv, keines, das über jeden Zweife erhaben wäre. Was wir immer wieder erleben, ist, dass der Mensch in eine auserwählte Beziehung zu einem Wort tritt. Er macht ein Buch zum Thema seiner Auseinandersetzung. Er hat sich etwas erwählt als Thema seiner Selbsterkenntnis. Wenn wir das Wort mit dem Wort verwechseln, dann sind wir in Gefahr, aus Worten einen Gott zu machen. Wir begrenzen ihn auf eine willkürliche Fassungen von Schriften. Dies ist das Bibelcodephänomen, das Phänomen der Exklusivität, oder des Segens Abrahams. Solcherarte gilt dann für die Bibel, dass sie 666 ist, denn die Torah ist mittels 666 fixiert worden zu einem Wort Gottes, das unzerstört sei. Das Johannesevangelium aber predigt diesen Logos, will tiefer hinein gehen, bringt uns an den Zweifel, zum Verzweifeln. Es führt uns zum Kreuz und lässt uns die Nägel zählen, und zeigt, was verborgen war. Das Evangelium referenzert auf die Kabbala, auf Inhalte des AT, des BdE, und eröffnet sie. Es stellt Dinge auf den Kopf, und der nüchterne Verstand schüttelt denselben. Aber derweil geschieht etwas, was ich als gnostischen Lehrgang bezeichne, gnostisch in einem sehr speziellen johannitischen Sinne. Warum werden nur die Füsse gewaschen, warum nicht der Kopf? Ist dies der Unterschied uzwischen Daten und Bedeutung? die Bedeutung des Evangeliums zu erfassen liegt beim Leser. Das Paradox zu erleben, dass das Wort gekreuzigt werde, damit der Logos aufersteht, individuelle bezeugt und erlebt, das ist ein Phänomen, das man nicht als Formel beschreiben kann. Ich habe es des öfteren vernommen, dieses Evangelium sei gnostisch. Ich möchte dies verneinen, wenn man bei Gnosis an die gnostischen Systeme denkt oder an Marcion. Wenn aber Gnosis einen internen umfassenden Aha-effekt bedeutet, den man in keiner Weise systematisch lehren kann, so stimmt dies. Dieser Gnostische Aha-Effekt tritt zuweilen bei mir ein. Aber ich bin unfähig, ihn darzustellen. Gerade das innere de menschen bleibt ausserhalb der Worte und verschweigt sich (dafür war die Sprache nicht gemacht). Ich möchte nur soviel sagen. Selbsterkenntnis und Welterkenntnis ergänzen sich, sind darin ausgedrückt, dass im Evangelium stark auf das AT "die Welt" wenn man so will, referenziert wird. In der Welt gibt es das Wort, nun aber als gesetz verstanden. Dieses Wort ist zwar vom Logos, aber es ist nicht der Logos, und gleichzeitig besteht der Anspruch, der Logos solle sich dem Wort unterwerfen. Wenn INRI ans Holz geheftet wird, dann drückt dies eine Bestätigung der Schrift der Kabbala aus. (Siehe dazu auch Bibelcode Kommentar). Ditto wird gesagt, wie Moses die Schlange erhöht, muss der Sohn des Menschen erhöht werden. Die Schlange ist ein Symbol für den Baum der Erkenntnis. Und ich meine, dass hier Johannes Jesus als gnostschen Anlass sieht, welcher den Menschen vom Bann des Bösen befreien soll, dem Fluch. Das ist eine Wandlung des Fluches in einen Segen. Wir erfahren zwar die Dämonisierung der Torah aus der Offenbarung, aber eigentlich ist dies eine Reaktion eines Autoren, der nicht mit dem Evangelienautor identisch ist. Das gnostische Element ist vewandt mit einem reformatorischen. wie meine ich dies: Johannes findet, die Geheimnisse der Torah können dem Menschen zugemutete werden. Dazu gehört die Erkenntnis, dass das Wort Gottes fixiert wurde, damit es nicht wankt. Anscheinend bedarf es solcher Methoden, damit der Natur entgegengewirkt wird, welche die Eigenart hat, Schrift im Laufe der Zeit zu deformieren. Die Torah ist ein unzerstörbares Wort, aber nicht Logos. Das Wort ist ein Anstatt Logos, ein Privileg für die Kabbalisten und prester und jüdischen Eliten, aber sowenig für die gewöhnlichen Juden oder Heiden, wie der normale Mensch im Mittelalter eine Bibel besitzen durfte. In meinen Augen ist ein qualitativer Unterschied zwischen der erhöhten Schlange im BdE und dem erhöhten Menschensohn. Denn die erhöhte Schlange ist eine initiatorische Anweisung für die Schriftgelehrten. Der Hinweis des Johannes aber sagt, dass das privileg gebrochen ist, und zwar in den Augen des Establishements zwar das Wort weiter die regiert, aber die zeugen des Lehrers den lebendigen Logos, dessen Auferstehung erfuhren. Dies klingt nun schon fast marcionitisch, ist es aber nicht. Johannes sagt in meinen Augen, dass das Gesetz um seinetwillen gegeben war, ihn bezeugt. Das meint in der Tat, dass alle Schriften ja aus dem Drang kommen, Gotterkenntnis und Wahrheitstreue zu dokumentieren. Das Wesen des Logos wird in heiligen Schriften transzendiert. Johannes sieht keinen Anlass, hier Schöpfer und Erlöser zu trennen. Der Logos ist das Licht, das in der Finsternis scheint. Die Finsternis ist möglich. Johannes kommt über das Wesen der Dunkelheit nicht hinweg, lässt es stehen. Er gibt ihm aber nicht einen eigenständigen Gott (den Schöpfer) wie dies Marcion tut. Das Kreuz ist bei Johannes das Symbol des Südenfalls, oder das Reich der Schlange, wenn man so will. Es ist insofern Böse, als eine Kraft besteht, die Prinzipien der Schrift im Dunkeln zu halten. Sein Jesus wird angegriffen, weil er Blinde sehend macht, weil er Verständniswunder macht, weil er Autorität über die Schrift besitzt, weil er Anlass zu einer Angst gab, die auch den Klerus des Mittelalters beherrschte: was wäre, wenn alle Menschen gelehrt von Gott wären (was hätten wir dann noch zu tun)? Du sollst nicht nach der Erkenntnis greifen, dass ist das Gebot, dass der Klerus jederzeit dem einfachen Menschen gibt. Während aus katholischer odr allgemein christlicher Sicht der Sündenfall überhaupt für alles Übel steht, thematisiert es eigentlich genau dies: Wer kann sich anmassen mehr über Gott zu wissen? Aus welchen Massgaben urteilen wir, und verurteilte das Establishment einen Rabbi, der in den Augen der Jünger den Logos erweckte? Das Wort ist ein Schwert. Mit dem Wort Gottes wurden mehr Menschen durch den Menschen getötet als anderswie. Es muss eine Kluft sein zwischen Wort Gottes und Logos, welche nur vom Individuum übersprungen werden kann. Wenn er den Zweifel am Wort in sich und im anderen zulässt, ohne den Glauben des Logos zu verlieren, oder mehr noch, ihn in diesem Zweifel, im sehen des Kreuzes eigentlich gewinnt. Nun ja, ich bin kein bekennender Christ (mehr). Ist das wichtig? Muss man, wenn man von Gott gelehrt ist, auch imstande sein, diese Lehre auf Papier zu bringen? Oder könnte das Wesen des Logos anders wirken? Ginge es nur um Bekenntnis oder Lehre, dann wäre es wohl damit getan, dass wir alle an ein Wort glauben, uns genau einem uniformen Recht unterwerfen (warum nicht die Torah). Aber dieser Trug muss doch jedem deutlich werden, dass Lehre im äusserlichen Sinne durch ein irgend autorisiertes Wort überhaupt nicht eine Bedingung für eine von innen heraus gelebte Ethik ist. Ethik baut auf Selbsterkenntnis in der Welt. Und Die heiligen Schriften transzendieren eigentlich das Streben nach einem höheren gemeinsamen Gut aus der Selbsterkenntnis in der Welt mit der Beschäftgung mit seinem Nächsten (Nächstenliebe). |
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