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Chronologie

© elcappuccino - last update: Dez. 2004

Einführung

Kurzdarstellung von erarbeiteten Resultaten

Sektion und Download
Einführung

Masoretische Chronologie
Integrale Chronologie
Israel und Assyrien
Der Fall Jerusalems
Josia und Necho
Der Sothiszyklus
Die Richterzeit
Zeitspannen in der Bibel
Sintflut

                                              
                                

Grundprobleme einer Chronologie

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Der Nutzen der Jahreszahl

Chronologische Revisionen werden immer wieder versucht und immer wieder zurückgewiesen. Obwohl Argumente eines David Rohl, eines Immanuel Velikovsky und eines Peter James (damit sind nur drei bekannte Vertreter angegeben) in ihrer grundsätzlichen Argumentation überzeugend sind, werden sie doch nicht angenommen. Warum ist dies der Fall?

Ich möchte ein Beispiel geben. Wenn ich sage "Jerusalem 70 nach Christus", so erwecke ich beim Hörer ein ganzes Bild von Vorgängen, vor welchem Hintergrund ich dann eine Aussage mache. Dies funktioniert aber nur dann, wenn es eine akzeptierte Chronologie gibt für dieses Jahr. Das heisst, die Geschichte, die durch diese Zahl ausgedrückt wird, muss dogmatisch gesichtert bleiben.

Chronologie bietet einen Satz von prägnanten Jahreszahlen an, die als Kurzreferenz für einen jeweiligen historischen Kontext dienen. Ich gebe nur folgendes zu bedenken: "1933" , "1618-48" , "28" (denken Sie das gleiche wie ich? -Lösung)

Angenmmen, ich würde im Jahr 2000 sprechen: "Jerusalem vor 1930 Jahren", dies hätte gar nicht den gleichen Gebrauchswert. Denn ob die Ereignisse um 70 tatsächlich genau 1930 Jahre vor dem Jahr 2000 stattfanden, wird nicht von allen akzeptiert.

Revisionen zur Chronologie müssen unweigerlich dieses Referenzsystem angreifen. Darum werden sie bekämpft, nicht weil die Argumente von ihren Vertretern falsch wären, sondern weil sie die Diskussion über Geschichte erschwert. Wer seine Lebensanschauung auf einem gewissen Geschichtsbild aufbaut, wird die Chronologie als Grundlage seines Denkes ungern aufgeben, auch dann, wenn er selbst nicht Chronologien erstellt oder prüft, sondern sie lediglich benutzt.

Archäologische wider Literarische Historie

Was Archäologie ist, ist gemeinhin gar nicht so deutlich. Man könnte meinen, dass das Lesen und verstehen einer Tontafel aus Assyriens Schutthalden ebenfalls Sache des Archäologen sei. Aber in der Praxis ist dies selten der Fall. Es herrscht eine Art Arbeitsteilung zwischen den Totengräbern und den Hermeneutikern. (Aber ehrlich gesagt, manchmal bin ich froh, wenn ein Totengräber auch Hermeneutiker ist. Denn wenn wir ihm folgen würden, wäre das Problem um die dunklen Zeitalter nicht entstanden.)

Scherben bringen Glück. Diese alte Weisheit ist eine Entstellung der alten Praxis von Skarabäen als Glücksbringer. Scherben (Ostraki), Metall und Textilreste, Reste von Grabbeilagen, ja die Knochen, die verwitterten behauenen und geschliffenen Steine sind die stummen Zeugen der menschlichen Geschichte. Sie lügen nicht. Aber sie sagen leider nichts Detailiertes aus über das Jahr ihres Gebrauchs. Immerhin gibt es die Möglichkeit, über die Entwicklung der Technik (Metallverfertigung) oder der Kunst (Töpferei, Fresken) einen logischen Ablauf des Rahmens zu sehen.

Gäbe es die Chronologie nicht, so gäbe es keine dunklen Zeitalter in Griechenland, Sizilien, Italien und Kleinasien. Genau dieses ist die gemeinsame Basis von Rohl, Velikovsky und James. Weil es aber Chronologie gibt, müssen wir die seltsamsten Entwicklungen in der Kunst annehmen. Es gibt einen aktuellen Konflikt zwischen Literarischer und archäologischer Historie. (Haben Sie gewusst, dass Salmanasser im 9.Jh. Grosshändler von Antiquitätenfakes im Amarna Stil aus dem 14. Jh. ist? Der Konsenz hat ihn dazu gemacht).

Die Literarische Historie schaut auf das, was man als historisches Zeitalter bezeichnen kann. Das historische Zeitalter ist das Zeitalter, in welchem der Mensch über Sprache und Schrift über die Vergangenheit Auskunft gibt, und dieses Wissen so durch die Zeit transportiert wird. Der Historiker schaut also nur sekundär auf die Machart einer Tontafel, der Form der Schrift, oder die Entwicklung des Alphabets, als das ihm vielmehr die Auslegung des Inhalts dieser Dokumente wichtig ist.

Absicht und Glaubwürdigkeit der Quelle

Wer Auskunft gibt, hat in der Regel eine Absicht. Dies ist dem Historiker zwar klar, aber nicht immer präsent. Und es ist im Grund nicht unmenschlich, wenn der Historiker der Mitteilung glaubt, bis das Gegenteil bewiesen ist.

Die heikelsten Dokumente für die Historie und die Chronologie dazu sind aber Dokumente politischen Inhalts. Es sind dies: Königslisten (das heisst Genealogien mit entsprechendem politischem Erbanspruch), Feldzugberichte, welche Zeitgenossen nennen. Briefe.

Unser chronologisches Konzept beruhte lange auf solchen Dokumenten wie der Bibel, den Mitteilungen über die Pharaonen, sogenannte Pharaonenlisten, und den assyrischen Königslisten. Während man die Probleme der biblischen Chronologie näherungsweise kennt, jene der ägyptischen Jahreszahlen offensichtlich sind, hat sich die assyrische Königsliste als Notnagel angeboten. Damit wurde das grundsätzliche Problem aber zementiert: Dunkle Zeitalter zwischen 700 und 1200 v.Chr. Denn man hat wohl die Jahre der Pharaonen gekürzt, nicht aber die dynastische Abfolge als ein späteres Konstrukt erkannt. Es ist die zusätzliche Vernetzung dieser Briefe über Namen von Zeitgenossen, welche so etwas wie eine Geschichte suggeriert, die gänzlich vom archäologischen Befund abweicht. Aufgrund der Annahme, dass Assurrubalit der AKL der Assurubalit der Amarnabriefe sei und die AKL ausserdem korrekt sei, wurde die Amarnaepoche ins 15.Jh. datiert. Dabei ist gerade die Namensidentität in allen schriftlichen Zeugnissen immer die heikelste.
Da in der Amarrnazeit viele spätbroncezeitliche Funde aus Kreta und Mykene vorliegen, zog dies auch die Datierung der mykenischen und minoischen Zeit nach, so dass der trojanische Krieg im frühen 12. Jh datiert wird, wohingegen alle Berichte und Datierungsversuche alter Zeugen auf ein Datum im 8. Jh hinweisen, also eine Generation vor Homer. Das Töpfereizeugnis würde ein spätes Datum für das heroische Zeitalter Griechenlands unterstützen.

Sich auf geschriebene Chroniken zu verlassen, kann den Berg auf den Kopf stürzen. Die kritische Prüfung von Chroniken bezüglich Möglichkeit und Plausibilität anhand der archäologischen Fakten und entsprechen der Logik zivilisatorischer Entwicklung tut also Not.

Es erscheint mir hier ein PS wert:
Ich bin mir sowohl der Dendrochronologie wie auch der C-14 Analyse bewusst. So wertvoll chronologische Hilfsmittel sind, welche nicht von vergangener Poesie (Königslisten und dergleichen) abhängig sind; Dendrochronologische Daten werden nach erwarteter Vordatierung (Amarnaepoche) wunschgerecht publitziert, oder die misslichen Ergebnisse im Labor liegengelassen. Das ist die Poesie, das heisst dem Konsenz gehorsame Wissenschaft im Labor, was das Resultat nur noch verschlimmert. Die Bibel wurde noch nie so angebetet wie die Toten Untoten Amenhotep III und sein Vatersohn Echnaton. Aton lässt grüssen.

Ein neues Geschichtsbild?

Es wurde gesagt, Scherben bringen Glück. Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben. Die Verlieren haben keine Möglichkeit, ihre Lügen zu widerlegen. Sie können mindestens nicht ihre Jahresangaben im Detail korrigieren. Aber wir sollten doch eingedenk sein: das historische Zeitalter hat die Lüge unsterblich gemacht. Das ist ein wesentliches Merkmal der menschlichen Geschichte. Das Puzzle, das Geschichte heisst, verspricht ein lebensnahes Bild voller Logik. Der Faktor Erfindungsgeist muss aber ernüchtern, denn man sollte im vollkommenen Puzzle durchaus auch das Bild des falschen Puzzles und seines Lösers finden. Ich möchte nur an Platos Atlantis erinnern und das Weltbild, das jenes in vielen Köpfen erzeugte.
Ebenso schwierig ist der Umgang mit Homers Illias, die sowohl als Mythe missachtet wird, und als Tatsachenbericht überschätzt wird. Eine all zu starre Beurteilung dieses Werks, nun den trojanischen Krieg als genau ein Ereignis zu datieren, kann mehr Schwierigkeiten ergeben als Lösungen. Griechische "Mythologie" erscheint mir als eine Art diealektische Soziologie, wie es am Beispiel des Hungers, ein durchziehendes aber verborgenes Thema der Mythe, klar wird. Diese Dialektische Spannung ist in Homer fühlbar, aber nicht isoliert in der Ilias, sondern den umgebenden Werken insgesamt. Ursache und Wirkung sind vorhanden und gehen bis in die Gegenwart Homers. Dies spricht für Kontinuität, und was wir lesen, ist in Archetypen verkleidete Politik und Soziologie der unmittelbar vergangenen 200 Jahre.

Der Gedanke, dass die Argonauten nicht solange vorher in Kolchis waren, als Sargon die Israeliten im südlichen Kaukasus ansiedelte, bringt Geschichten zusammen. Kolchis als ein grosses Erzzentrum (nebenbei war es ein schlaues Ablenkmanöver, die Unternehmung ging vielleicht gar ins Donaugebiet zu den Goldminen) bekannt für Zinn. Es liegt aber auch an einer Brückenstelle am Kaukasus. Die Destabilisierung dieser Zone durch die Argiver schuf die Voraussetzung für das Eindringen der Kimmerer und Skythen.
Geschichte erschient also nicht mehr in säuberlich getrennten Bereichen (hier Richter in Israel, da Mykenische Helden), womit sie erst Recht als Mythen zenmentiert werden, sondern eine Gleichzeitigkeit macht erst die Mythe zu einem politischen und sozialen Vorgang, der den Rahmen von Einzelmitteilungen sprengt.
Eine Ilias und eine Bibel machen für sich alleine noch keine Geschichte. Die Verzahnung aber, das logische Miteinander und Gegeneinander aber erzeugt ein vergrössertes Bild, das über den engen Raum der Volkssubjektivität hinausgeht.

Veränderte Chronologien spiegeln eine andere Logik, einen anderen Hergang, und sie stürzen damit altgewachsene Vorstellungen über Ursachen, mitunter das Selbstverständnis. Besonders deutlich wird dies im Falle des geeinten Reiches unter David und Salomo, das aus archäologischer Sicht heute als literarische Erfindung gelten muss. Chronologische Debatten sind also heiss, wenn sie mitunter den auf dem religiösen Vermächtnis gewachsenen Stolz angreifen oder bestätigen.
Für das Fehlen des geeinten Reiches in archäologischer Sicht aber eine falsche Chronologie verantwortlich zu machen, ist gleichwohl verfehlt. Eine übermittelte Chronologie muss zuerst unabhängig vom archäologischen Kontext her in ihrer Natur geürüft werden, wie auch die Archäologie selbst allein für sich eine logische Entwicklung herausbilden und formulieren muss.
Das eine aus dem anderen sichern zu wollen, geht nicht an. Man kann bestenfalls ein Optimum widerspruchsfreier Chronologie mit dem archäologischen Zeugnis vergleichen. Dies ist heute nicht geschiehen. Archäologie ist von Chronologie vergiftet, und chronologische Mitteilungen werden so lange manipuliert, bis sie auf ein Paar zeugen passen.

Zielsetzung dieser Studie

Diese Vorrede war nun notwendig, um die Voraussetzungen folgender Studie zu beschreiben. Bevor wir uns auf eine Chronologie verlassen, und an ihr die Geschichte aufhängen, wollen wir diese doch zuerst einmal verstehen. Das Ziel der Studie ist nicht, eine gültige Chronologie für diesen Zeitraum zu entwerfen, sondern die Voraussetzungen und Aussagen der Chronologie zu klären. Ist die Chronologie stichhaltig in sich selbst, oder zeigt sie Probleme.

Dabei muss besonders die Absicht des Chronisten (und seines Umfelds) im Auge behalten werden. Denn was in Bezug auf politische Dokumente zutrifft, gilt ebenso für die Bibel (welche doch wesentlich Politik ist).

Jüdische Chronik ist immer potentiell auch polemische Chronik. Dazu ein Beispiel. In SamP haben wir eine Sintflut um 1307. Danach lebt Noah noch 350 Jahre bis zum Jahr 1657. In der MT Form haben wir um 1656 die Sintflut. Die polemische Aussage: der Samaritanische Noah geht in der masoretischen Sintflut unter. Bekannter ist etwa das Beispiel um Henoch, der in Jahre so alt wurde wie an Sonnenjahr Tage zählt. Diese Koinzidenz paart sich mit einer Heraushebung dieser Figur in ihrer Gottesnähe. Solche Aussagen, die primär symbolischer Natur sind, entwerten ihre chronische Stichhaltigkeit. Dies muss unbedingt auch für jedes Datum gelen, das sich von symbolischer Chronik ableiten will.
Der symbolische Wert eines Exodus im Jahre 2-666 nach Schöpfung wurde anscheinden noch gar nicht diskutiert. Ebensowenig, wie dass Stammvater Abraham im 666. Bibelvers stirbt, Chronik und Symbolik treffen sich hier.

Diese Studie wird besonders auf die Möglichkeit solcher Aussagen innerhalb des Kontextes des geteilten Reiches Rücksicht nehmen. Eine Unterscheidung chronologischer Angaben nach symbolischem (oder magischem) und nach historischem Hintergrund ist das erste und vordringendste Ziel.
Erst, wenn zusammenhängende chronische Fragmente von ihrer Schlacke durch Kabbala bereinigt sind, können sie einer ausserbiblischen Chronologie zu Vergleich übergeben werden.

Verfahren

Gehärtet und geübt am masoretisch vewinkelten Denken (siehe Baum der Erkenntnis), ist es nie ratsam, nur einen Weg einzuschlagen. Das chronistische Material im geteilten Reich lässt mehrere Verfahren zu, und diese müssen geprüft und miteinander verglichen werden.

Es wird zuerst eine sehr vereinfachte Chronologie allein aufgrund der jüdischen Könige entworfen und analysiert. Ich nenne dies eine serielle Chronik.

Dann wird eine integrale Chronik der Königszeit vorbereitet, und Problemstellen diskutiert.
Lösungen werden evaluiert und ein Entwurf dieser Chronik wird im Kontext der Gesamtchronologie (der Bibel) interpretiert.
Wenn möglich wird eine absolute Datierung so lange vermieden zugunsten einer relativen und durchschaubaren Datierung. Ein wesentliches Problem, dass nämlich die Chronische Erzählung von der Vergangenheit in die Zukunft gerichtet ist, der Chronist aber von der Gegenwart in die Vergangenheit vordringen soll, wird dadurch behoben.

Die Vorliegenden Studien befassen sich mit dern Ereignissen vor der Zerstörung des Tempels von Jerusalem im allgemein akzeptierten Datum 586 v.Chr. Dieses Datum soll als alleiniges Bindeglied hier angenomen werden, wenn es darum geht, relative Zeitbezüge mit einem absoluten Datum zu versehen.

Es wird, wenn notwendig, eine Beurteilung über den historischen Wert in Einzelabschnitten vorgenommen, und, falls erkennbare Manipulationen isoliert werden können, nach Ursachen und Quellen gefragt.
Eine Übersicht über die ausserbiblischen Quellen soll später angefügt werden, und chronologische Abschnitte allenfalls in eine lose Beziehung zur ausserbiblischen Geschichte zu setzen. (muss noch bearbeitet werden).

Kataklysmische Interpreationen (wie dies gerne bei Ahas Sonnenuhr vorkommt), oder Spekulationen aufgrund der vielen möglichen Kalendersysteme zur Jahreseinteilung (Sonnen- und Mondjahr) werden nicht berücksichtigt.

Für alle chronischen Studien gilt, dass sie neue Erkenntnisse oder archäologische Entdeckungen berücksichtigen müssen. Die Studien sollen entsprechend nachgeführt werden.
 

Chronologische Epochen

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Dreierlei Orientierungen

Die biblische Chronologie lässt sich in verschieden Epochen, oder man möchte sagen, Arbeitsumgebungen aufteilen. Diese Aufteilung ist aber abhängig vom Bezugssystem. Ein Historiker wird vermehrt auf das Umfeld der Bibel achten und die biblische Chronologie in diesem Sinne in Bereiche verschiedener Zuverlässigkeit einteilen. Ein Bibelstudent aber wird die Einteilung im Sinne der Bedeutung innerhalb der Bibel verstehen. Ein kritischer Bibelstudent wird aber die Probleme in den Chronologien sehen, und die Epochen nach ihren verschiedenen Bedingungen zur Datierung einteilen.

Einteilungen in Rücksicht der Historie

Das Einbetten der Bibel in ihr Umfeld verlangt Beglaubigungen biblischer Personen (oder deutlich markierte nicht häufig wiederholbarer Ereignisse in der biblischen Erzählung) in ausserbiblischen Quellen. Unter diesem Aspekt lassen sich folgende Epochen biblischer Chronologie entwerfen. (Die Namen sind hier Beschreibungen und keineswegs gebräuchlich, und die Meinung zu gewissen Epochen ist durchaus geteilt, was eben den Charakter dieser Epoche erst belegt)

  • Die mythologische Epoche: Aussagen in der Bibel in diesem Zeitraum widersprechen sowohl dem archäologischen Befund. Kritisiert wird die vorsintflutliche Zeit, die Patriarchenzeit insofern Altersangaben beschrieben werden. Exodus in der beschriebenen Form.
  • Kontrastzeit: Sie überstreicht die Richterzeit und das frühe Königtum. Der archäologische Befund unterstützt (mittels mangelhafter Chronologie) diese Angaben eher weniger. Der Name Kontrastzeit habe ich vergeben, weil sich hier die grössten Kontroversen zeigen.
  • Die Epoche der Zeugen: Das Königtum erscheint ab Jehu von Israel bezeugt in ausserbiblischen Quellen. Umstritten aber ist der Stellenwert Jerusalems.
  • Die historisch akzeptierte Zeit. Ab dem Königtum Hiskias gibt es kaum mehr ernstzunehmende Einsprüche gegen die Historizität Jerusalems.

Die Einteilung dieser Epochen beruht auf zweierlei Dingen: ersten die Auslegung der Schrift, zweitens der archäologische Befund und die Auslegung ausserbiblischer Zeugen. Während ersteres im Datenbestand erschöpflich ist, ist der Grad an ausserbiblischen Zeugen nicht beschränkt, und dürfte wahrscheinlich noch zuwachsen. Diese Epochen sind also nicht in einem chronistischen Sinne determiniert, sondern spiegeln nur die Kontroverse um die historische Wahrheit der Bibel wider. Dennoch ist es wichtig, diese Stufen im Auge zu behalten, denn für Geschichte gilt, dass sie in Schichten vorliegt. Das Überspringen von Schichten zugunsten einer frühen gefundenen Synchronizität (Beispiel Amarnaepoche - AKL) kann fatale Folgen haben für den archäologischen Befund. Die Kritik in der sogenannten Kontrastzeit leidet unter solchen falschen Voraussetzungen und muss zu Widersprüchen führen. Erst unter einer korrigierten ägyptischen Epoche (Dynastische Chronologie), wird überhaupt ein Vergleich möglich sein.

Uneinigkeit über die historischen Quellen besteht in Rücksicht auf die dunklen Zeitalter. Sowohl David Rohl, wie auch Immanuel Velikovsky und Peter James betonen, dass mit den Amarnabriefen Dokumente vorliegen, die in die Königszeit Israels und Judas zu datieren sei (in der Festlegung unterscheiden sie sich). Diese Ansicht wird bis heute vom Konsenz in Berufung auf die AKL grossmehrheitlich (assyrische Königsliste) zurückgewiesen.
Diese Korrektur hat zwei Folgen: Jerusalem war eine Stadt im fraglichen Zeitraum (die Archäologie belegt eine Kanaanitische Stadt, nach der Revision eine jüdische), die Könige dieser Zeit erscheinen aber in de Regel eher als Vasallen und vor allem, die Archäologie wird einen merklichen baulichen Einbruch mitten in dieser Zeit mit dem biblischen Schriftgut in Einklang bringen müssen. Eine Revision macht die Bibel in diesem Zeitanbschnitt nicht zwingend glaubhafter.
Es zeigt sich, wie sehr man von Bibelauslegung abhängig ist. Als Beispiel möchte ich meine Gedanken erwähnen zu: Hebron - das ist Ägypten oder wie man die mangelnde Präsenz Ägyptens in der Bibel lesbar macht.

Epochen nach ihrer innerbiblische Bedeutung

Es wird mir wohl niemand widersprechen, wenn ich folgende Epochen einteile:

  • Vorsintflutliche Zeit
  • Die Zeit der Völkermehrung
  • Die Zeit der Patriarchen
  • Die Zeit in Ägypten mit dem Auszug
  • Die Zeit der Richter
  • Die Zeit des geeinten Königreiches
  • Die Zeit des geteilten Reiches
  • Die Zeit der Prüfungen bis zum Exil
  • Die erste Exilzeit
  • Die Zeit des zweiten Tempels

Dies wäre die Einteilung der Epoche der alttestamentlichen Schriften. Und wiewohl man unter dem Begriff "Heilsgeschehen" weitere Epochen definieren mag, ihr Gegenstand ist nicht mehr die Schrift, und damit für den historiker weniger von Interesse.

Bei dieser Einteilung zeigt sich, dass sie anhand eines typische Merkmals definiert wird. Die Merkmale sind dabei nicht ausschliesslich oder exklusiv. Es stellt sich die Frage, ob die Zeit der Völkermehrung nicht ein Aspekt der Patriarchenzeit wäre, oder gar umgekehrt. (Abraham war auch Vater vvon Völker, die von Israel später als Feide bezeichnet werden)

Die Einteilung an dieser Stelle ergibt sich aus einem besonderen Merkmal, denn in der Patriarchenzeit wird in dies Geschichte von Menschen erzählt. Die Nähe zu menschlichem Schicksal verleiht etwas, was man mit Historizität begreifen kann. Das Erzählen von geschichte überwiegt die Auflistung von Namen oder von Jahreszahlen.

Im vergleich dazu haben wir eine Epoche von 1656 Jahren, in denen fast keine Geschichte geschieht, es sei dann am Anfang und am Ende. Diese Epoche ist geschichtlich gesehen nicht existent. Wir haben nun das sonderbare, dass diese nicht existente Geschichte eine Zeit hat, die zu einem Anfang führt.

Im Gegensatz dazu haben wir die Geschichte der Patriarchen. Kulturforschung hat uns gezeig, dass Sitten und Gebräuche dieser Patriarchen ihre eigene Lebenszeit weit überdauerten, und sie so ein Beispiel für lang andauernde Zustände darstellen. Das heisst, sie drücken etwas Beharrendes aus, unabhängig vom einzelnen Menschen. In diesem Aspekt füllen die Patriarchen einen viel grössener Zeitraum mit (typischen) Geschichten auf, dass man geneigt ist, ihnen einen grösseren zeitraum zu geben als der Zeit bis zur Sintflut.

Aber menschliche Geschichte muss sich auch am einzelnen Menschen messen, und die Erfahrung weist hier doch Grenzen der Lebenszeit.

Ich stelle also fest: es gibt einen reziproken Zusammenhang zwischen Geschichte und Zeit. Je mehr Geschichte, um so weniger Zeit. Und dies wird tatsächlich durch die Entwicklung der Historischen Forschung bestätigt. Der Trend zeigt generell zu einer verkürzung der Zeit, sobald Pharaonen oder Könige, denen ein ganz sagenhaftes Alter zugestanden wird, mit ihrer Geschichte konfrontiert werden.

Epochen nach ihren chronologischen Problemen und Bedingungen

Das Bibelstudium muss das Problem der Textvarianten zur Kenntnis nehmen. Diese sind von Bedeutung für die Chronologie und liegen Haupsächlich in den drei textfamilien MT (masoretischer Text) LXX (Septuaginta) und SamP (samaritanischer Pentateuch vor. Ein vergleich wichtiger Daten wird von mir bereitgestellt in Quellenforschung zum AT, worin Indizien für die Abhängigkeit der Familien gegeben werden. Dem Neuling in dieser Sache kann dies einen ersten Einblick in die Problematik einer biblischen Chronologie geben.

Die biblische Chronologie lässt sich unterteilen in Rücksicht auf diese Quellenlage nach verschiedenen Bedingungen.

  • Bis zur Sintflut: Die Berechnung ist einfach linear. Erschwerend kommen aber drei verschieden Varianten nach drei Familien vor. LXX zeigt dazu nach zusätzliche Varianten
  • Die Patriarchenzeit bis Abraham. Es gilt das gleiche wie unter der ersten Epoche. Die Trennung erschient aber durch ein Detail in der Sintflut: Wir haben das erste chronologische Problem, das in allen Texten besteht.
  • Abraham bis zum Exodus: Einigkeit in den Quellen bis auf die Frage, wie die 430 Jahre Aufenthalt zu deuten seien. Als neues Merkmal kommt die Existenz eines Kalenders hinzu, welcher sowohl neue Kontrollmöglichkeiten anbietet, aber auch zusätzliche Schwierigkeiten macht. (Ein Mondkalender ist im Grunde schon im Sintflutbericht ablesbar, nach MT)
  • Die Richterzeit: Eine überschlagende Datierung (480 Jahre) wird angeboten. Diese konkurriert mit anderen Überschlagungen und dem verrechnen der einzelnen Daten.
  • das geeinte Königreich: Schwierigkeiten erscheinen bei der Ankoppelung Sauls.
  • das geteilte Königreich bis zum Fall Samarias: Viele Detailprobleme und Uneinigkeit darüber, ob es Prinzipien in der Verrechnung von Jahren gebe. Jehus Erwähnung in assyrischen Quellen erbringt die Schwierigkeit, soll diese Epoche historisch oder rein biblisch berechnet werden.
  • das Restreich bis zum babylonischen Exil: Biblische Angaben sind mangels alternativen nach einfachem Prinzip zu addieren, was aber zu einem Widerspruch mit dem Konsens des Falls Samarias führt.
  • die Zeit bis Nehemia. Widersprüchliche Angaben zu Nebukadnezars Jahren und Jehojakims Jahren, und zusätzlich unwahrscheinliche Angaben im Buch Daniel vermindern historische Klarheit. Dennoch wird diese Epoche mittels ausserbiblischer Quellen rekonstruiert.
  • von Nehemia bis zur römischen Zeit. Die Rekonstruktion erfolgt durch ausserbiblische Historie. Der Zeitrahmen stützt sich vor allem auf die Varronische Zeit und die Olympiaden. Jüdische Überlieferung ist hier geteilt, hat sich scheinbar für den Konsenz entschieden und wird neuerlich bestritten in dem Sinne, dass die Babylonier-Perserzeit rund 100 Jahre kürzer war. Dem gilt zu entgegenen: der zweite Tempel wurde nach dem Konsenz nach der kabbalistischen Epoche 656 Jahre nach dem ersten Tempel abgefackelt. Die Zeitrechnung, wonach das jahr 1 n.Ch. das Jahr 3761 wird, ha seinen Ursprng in Babylon selbst, und dies wird von mir mehrfach belegt. Ab dieser Epoche sind wir also in einem historischen Rahmen, der seit Babel von den Rabbinern unbesritten war, und durch den Konsenz im ganzen richtig wiedergegeben wird. Die Jahreszahlen für die Zerstörung des ersten Tempels und die Tempelweihe werden im Baum der Erkenntnis klar und deutlich bestätigt. Der hebräische Kalender, scheinbar von Hilel II publitziert, verwendet diese Jahreszahlen, wie sie seit dem Exil eingeführt (oder determiniert) wurden.

 

Grundfragen zur Bibel

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Jede Arbeit braucht Richtlinien, die in jedem Moment gelten, damit eine Arbeit auch ausgewogen beurteilt von statten geht. Diese Feststellung ist lapidar, und doch wird sie selten eingehalten (auch von mir).
Im chronologischen Kontext gilt es festzustellen: Was im biblischen Kontext gilt, gilt auch für chronologische Arbeiten ausserhalb des biblischen Kontextes zu jeder Zeit.

Absolute und relative Datierung

Zu jeder Zeit gibt es chronologische Probleme. Dies fällt uns, die wir eine auf die christliche Epoche bezogene Jahreszählung pflegen, gar nicht auf. Der Historiker kennt aber die Schwierigkeiten, mangelhaft belegte Vorgänge in einen grösseren Kontext zu stellen.

Absolute Epochen haben einen grossen Vorzug. Wenn ein einzelnes Datum auch umstritten ist, so hat dies keine Folgen für eine Chronologie, da andere Daten nicht davon abhängig sind.
Anders aber sind relative Datierungen, wo grössere Zeiträume durch Akkumulation der relative Zeiten berechnet werden müssen. Hier ist jedes Datum von einem einzigen Glied abhängig.

Aber der Mangel der absoluten Datierung, sei es nun eine römische oder eine auf die christliche Ära bezogene, liegt darin, dass ein Datum ohne Kontext und damit ohne historische Logik besteht. Im Gegensatz dazu eignet eine relative Datierung eher dazu, Geschichte zu erzählen.

Für den Historiker sind nun absolute Datierungen Brücken über widersprüchliche Angaben. Es bieten sich an: die Olympiaden, die Zeit nach Erbauung Roms, die Seleukidische Ära und die christliche Ära. Es ist im Grund erstaunlich, dass die Bibel nie ein solches Prinzip aufnahm. Genauere Betrachtung zeigt aber, dass solche historisch absolute Datierungen sich erst durchsetzten, nachdem die Bedeutung eines Ereignisses nicht mehr umstritten und damit konkurrenzlos war. Eine absolute Datierung erscheint als administrative Massnahme ausgehend von Machtzentren (Rom). Die Revisionen, welche den Kalender betraffen müssen ebenfalls in diesem Sinne betrachtet werden. Auch das Christentum hat sich erst eine eigene Datierung gegeben, als das römische Fundament weggefegt war. Dennoch wurde selten ein aktueller Bezugspunkt gewählt (Diokletian, Seleukidisch) sondern oftmals ein alter Bezugspunkt beibehalten, auf welchem das Selbstverständnis beruhte (Erbauung Roms, Christi Geburt). Dabei muss die Frist vom Bezugspunkt bis zur allgemeinen Einführung der Datierung gleich behandelt werden wie eine akkumulierte relative Datierung. Erst ab dem Punkt der Einführung hat eine solche Ära eine Stabilität erreicht.
Die Christen zögerten mehrere Jahrhunderte vor der Einführung einer christlichen Zeitrechnung. Die Olympiaden wurden wahrscheinlich sehr früh eingeführt und bildeten per se ein geeignetes chronisches System. Die Seleukidische Ära wurde schnell eingeführt (oder bestimmt), hatte aber eine relativ weniger lange Anwendung.

Wenn die mosaischen Bücher im 14.Jh geschrieben worden sind, wie es der religiöse Konsens mehrheitlich betont, stellt sich die Frage, warum sich in dieser ganzen Zeit keine allgemeine absolute Datierung herauskristallisierte. Selbst wenn man einige Jahrhunderte "Inkubationszeit" veranschlagt, hätte zur Zeit eines babylonischen Exils eine solche absolute Datierung vorgelegen. Sie liegt aber auch im 3.nachchristlischen Jahrhundert noch nicht offiziell vor. Die Publikation Hillels II brauchte einige Zeit, um überhaupt öffentlich anerkannt und angewendet zu werden. Die schliessliche Durchsetzung der jüdischen Jahresrechnung darf man nicht allein im religiösen Kontext betrachten, sondern muss ihn auch als administrativen Akt einer autonomen Gerichtbarkeit der Juden in der Zerstreuung verstehen.

Einige Zeitalter nach Online Bible (ohne Gewähr)

ZeitäraGregorianischJulianisch
Olympiade22.Juni 776 v.Chr.1.Juli 776 v.Chr.
Gründung Roms13.April 753 v.Chr.21.April 753 v.Chr.
Seleukidisch27.Aug. 312 v.Chr.1.Sept. 312 v.Chr.
Diokletian31.Aug. 284 n.Chr.29.Aug. 284 n.Chr.
Geburt Christi30.Dez. 1 v.Chr.1.Jan 1 n.Chr.

Die Unterlassung einer solch absoluten Chronologie in der Frühzeit kann nun zweifach begründet werden.
A) religiöse Skrupel
B) die Torah ist nicht so alt.

Die religiösen Skrupel sind insofern nicht glaubhaft, da sie immer nur für einen begrenzten Teil der Studenten zutrifft, nie aber für alle. Und es sind häufig die Gedanken und Berechnungen weniger, die dann einen Masstab setzen. Anderseits scheinen chronologische Arbeiten und Auslegungen nicht nur ein neueres christliches Phänomen zu sein, sondern etwas, das sich endzeitlich (im Sinne von Konfliktzeiten) aktualisiert.

Dass die Torah nicht so alt ist, ist unter der Textkritik mehrheitlich zugestanden. Wenn die Torah erst im Babylonischen Exil in ihre Form gebracht wurde (und dies begreift numerische Angaben mit ein) dann wird verständlich, dass eine absolute Chronologie aufgrund dieses Werkes nur in einem kleinen Kreis überhaupt eine Bedeutung haben konnte.

Der esoterische Charakter der Torah schliesst auch nicht aus, dass eine absolute Chronologie seit Beginn (der Redaktion) im Auge war, also ein Konstrukt von Zeiten alle Einzelangaben, die wir in der hebräischen Form der Torah finden, umgeben.

Möglichkeit von Chronologie

Wenn wir eine Chronologie unter Ausschluss einer zugrundeliegenden absoluten Chronologie entwerfen, so sind wir vollständig auf relative Angaben angewiesen, wobei Probleme und Widersprüche in der Bibel durch bisherige Arbeiten hireichend belegt sind. Damit aber werden wir vor die Tatsache einer Unmöglichkeit einer absoluten Chronologie gestellt, und alle Angaben im Sinne "im Jahr der Schöpfung" müssen bestenfalls alls Vorschläge oder auswahl innerhalb vieler Wahlmöglichkeiten verstanden werden.
Auf dieser Grundlage kann bestenfalls das Problem gezeigt werden, nicht aber jenes, was der Antrieb aller Arbeiten aus religiösen Motiven ist: ein sinnvolles Konzept.

Wenn man aber eine absolute Chronologie als gegeben vorschlägt, welche den einzigen Mangel hat, in grossen Kreisen nicht akzeptiert zu sein (z.B. ist die jüdische Jahreszählung in christlichen Kreisen nicht anerkannt), so können Widersprüchliche Stellen isoliert werden, ohne dass sie das Gesamtkonzept stören. Nach meiner Beobachtung verfolgen alle "erfolgreichen" Vorschläge dieses Prinzip des Ausblendens von Konfliktstellen.
Die Bibel bieten zuweilen Brücken an, wie die viel dieskutierten 480 Jahre vom Exodus bis zum Tempelbau. Der Vorzug solcher grossen Zeiträume gegen akkumulierte relative Daten zeigt, dass Studenten der Chronologie Ären bevorzugen oder stillschweigend voraussetzen.
Die Annahme eines apriori absoluten Kalenders muss aber die Herkunft von Widersprüchen erklären. Wenn sich eine absolute Chronologie als sinnvoll erweist unter einem bestimmten Blickwinkel, muss das Datenfeld, welches dazu quer steht, erklärt werden.

In meinen Studien will ich beide Wege beschreiten, sowohl die Grundlage einer absuluten Chronologie, wie auch der Versuch einer relativen Chronologie. Erst in der Zusammenschau zweier inkompatibler Ansätze wird etwas sichtbar über die Eigenart der absoluten Chronologie (in diesem Falle identisch mit der jüdischen Jahreszählung) und der eher historisch relativen Datierung.

Unmöglichkeit von Chronologie

Wie man an eine Chronologie herangeht, ist wesentlich auch vom Glaubensstandpunkt abhängig. Der herrschende Konsens ist in seinem chronologschen Gerüst von den biblischen Eckdaten weitgehend abgerückt. Hingegen wurde gerade der zweifel an der Chronologie der Bibel von Revisionisten als ein Argument für ihre Revisionsvorschläge aufgenommen. Vordergründig haben sie sich zum Ziel gesetzt, mit einer Revision auch die Bibel zu bestätigen. Es ist aber klar, dass auch ein Vorschlag nach David Rohl dem biblischen Geschichtsbild zu Leibe rückt.
Die Frage, ob die Bibel überhaupt zu einer Chronologie eignet, muss unabhängig von den derzeitigen Problemen der Weltchronik betrachtet werden. In der Tat bietet die Bibel elemente, welche sie als Chronologie diskreditieren, weniger wegen der Varianten der textee, als den Schematismen, die wir finden.

Moses und die 40 Jahre

Moses lebt 120 Jahre. Damit erfüllt er eine Weisung Gottes bei der Sintflut. Aber Moses Lebensalter ist gleichzeitig in Etappen von 40 Jahren gegliedert. 40 jährig flüchtet er aus Ägypten nach Midian zu Jethro. 80 jährig kehrt er zurück und führt sein Volk sein Ägyten. Mit 120 stirbt er an der Grenze zum gelobten Land. Nebst dem steigt Mose wiederholt auf den Berg und bleibt dort 40 Tage und Nächte. Diese formale Gliederung ist unnatürlich und ein Indiz gegen ursprünglichen Ablauf. Sie eignet eher einem Merkvers. Rude Zahlen, klare Abschnitte und Inhaltliche referenzen eignen eher einer mündlichen Überlieferung. Demgegenüber stehen die natürlichen nicht runden chronologischen Daten, welche sich für eine mündliche Überlieferung nicht eignen.
Formalismus stellen wir aber auch inhaltlich fet, im Verhältnis zwischen Mose und dem Volk Israel.
 

Moses wird aus dem Nil gezogenDas Volk Israel wird durch den Nil geleitet
Moses flüchtet vor PharaoDas Volk flüchtet vor den Ägyptern
Mose begegnet dem Midianiter Reguel Israel begegnet Reguel, Anregung zum Richteramt
Moses ist 40 Jahre in MidianIsrael wandert 40 Jahre in der Wüste
Moses begegnet Gott im Dornbusch am BergIsrael begegnet Gott am Berg, Gesetzesverkündigung
Moses heiratet eine MidianiterinDie Israeliten buhlen mit den Midianiterinen
Der Herr will Moses tötenDie Plage bei den Midianitern
Moses kommt nicht ins gelobte LandDie Generation die auszog, stirbt in der Wüste


Wiederholung ist das Kennzeichen und verrät einen hohen Grad an Formalismus. Die Etappen werden nach dem Einzug weitergführt in der masoretischen Chronik, wonach den 40 Jahren der Wüste die 40 Jahre Davids und die 40 Jahre Salomos folgen. Die Geschichte geschieht nach Formen. Diese Eigenart, welche so typisch ist für die Bibel, widerspricht nun aber der Geschichte. Die Weltgeschichte ist nicht ganz frei von Grundtypen. Die Assyrischen Herrscher gleichen sich in ihrem Verhalten. Aber ob diese Einschätzung nicht ein Produkt unseres formenden Verstandes ist, und in Wahrheit sich die verschiedenen Charakteren in der Assyrischen Geschichte nicht viel stärker voneinander abhoben?
Es zeigt sich, dass die Bibel, weil sie in Vorgängen formal gebunden ist, bereits eine verarbeitete Geschichte darstellt, also nicht als primäre Quelle dienen kann. Auch wenn man die Zeitspannen von 40 Jahren verwirft, um den Auszug mit ausserbiblischen Chroniken zu synchronisieren, so muss man dennoch und unbedingt auch auf den inhaltlichen Formalismus schauen. Es gilt nicht nur die Jahreszahlen zu hinterfragen, sondern die Wahrscheinlichkeit eines solch schematischen Ablaufs insgesamt.

Probleme nicht vermischen

Revisionen an der Weltchronik sind nötig. Die bisherige Ablehnung der Revisionen liegt darin begründet, dass die Revisionen versuchen, dem Formalismus in Überlieferungen wie der Bibel oder dem Trojanischen Krieg mehr Gewicht geben wollen, als sie aufgrund ihrer Eigenart haben dürften. Es die Beanspruchung eines falschen Arguments, woran die Revisionen scheitern, oder anders gesagt, die Probleme wurden nicht säuberlich getrennt. Auch die Mehrheit der Bibelchronisten, welche der Biblischen Chronik (wie auch immer) eine historische Realität geben, sind den Revisionisten nicht gefolgt, und haben deren Versuche abgelehnt, weil sie sich mit dem Geschichtsbild, das sich also ergibt, nicht anfreunden mögen.
Eine Revision ist unabhängig von den Widersprüchen der Weltchronik zum biblischen Weltbild notwendig. Es gilt nicht, die Weltgeschichte so zu ordnen, dass der trojanische Krieg oder der Exodus in jedem Moment bestätigt würde. Denn damit wird der Sinn dieser Quellen vollständig verkannt.
Diese Umstand möchte ich auch vom archäologischen gesichtspunkt beschreiben. David Rohl hat sich zum Ziel gesetzt, dass seine revidierte Chronologie auch die Verlässlichkeit der Bibel stützen soll. Für ihn sind also Samuel und Josua historische Personen, und ebenso die Ortsnamen die wir in Richter und Josua finden. Israel Finkelstein & Yitzhak Magen in Archaeological Survey of the Hill Country of Benjamin zeigen aber, dass etliche der biblischen Ortsnamen die der Zeit vor David enstammen sollten, tatsächlich erst im 7.Jh. besiedelt wurden. Das Problem der Verlässlichkeit der Bibel ist nicht nur ein chronologisches, sondern auch ein geographisches, was angesichts einer Redaktion Mitte des 6.Jh. nicht verwundert.
Der Sinn der biblischen Chronologie erschliesst sich ebenfalls erst dann, wenn man sie nicht auf das Prokrustesbett der Weltgeschichte legt, sondern ihre eigene Logik, ihren eigene Formalismus zuerst sich entwickeln lässt, und fragt, wozu es gut ist, oder was es bedingt. Dieser Einsicht dienen die unten aufgelisteten Studien zur biblischen Chronik.
 

Vorliegende Studien und Ihre Ergebnisse

zum Inhalt
 

Die Masoretische Chronologie

Die MT Chronologie wurde nach folgenden Kriterien aufgebaut.

  • Das Jahr 3760 des hebräische Kalenders (HK) ist das Jahr 1 v.Chr. Dieses Datum ist bestätigt durch Hillel II, findet Bestätigung im Baum der Erkenntnis für Ereignisse zwischen 600 und 500 vor Christus.
  • Als Jahr der Zerstörung des Tempels gilt das Jahr 586 v.Chr. Dies entspricht dem Konsenz.
  • Das Jahr 586 v.Chr. entspricht dem Jahr 3175 HK
  • Es werden nur ganze Jahre berechnet ohne Rücksicht auf Jahrbruchteile oder Kalenderangaben unter dem Jahr.
  • Für die Zeit bis zum Exodus und der Einwanderung gelten die Daten nach dem MT. Für den Aufenthalt in Ägypten werden 430 Jahre berrechnet.

Ergebnis

In diesen Rahmen, zwischen der Einwanderung ins gelobte Land und der Zerstörung des zweiten Tempels wird nun die Chronologie der jüdischen Könige nach ihrer Regierungszeit Nahtlos eingefügt. Es gibt keine Richterzeit und keinen König Saul. Die Chronologie geht mit der Einwanderung ins gelobte Land nahtlos in die Königszeit über. Sowohl die Stämmezeit (Ägypten und Wüstenwanderung) wie die Königsepochen (David bis Zedekia) ergeben jeweils 470 Jahre. Diese masoretische Chronologie respektiert also nur jüdische Daten und bestätigt das gebräuchliche Jahr des hebräischen Kalenders, wonach das Jahr 3760 dem Jahr 1 v.Chr. entspricht.
Auf der gleichen Seite gibt es einen Abriss über die Talmud-Chronologie und ihre Implikationen.

Die Chronologie der Königszeit innerhalb der MT Chronologie wird auf einer eigenen Seite dargestellt und diskutiert.
Die Masoretische Chronologie - Königszeit eingebettet

Integrale Chronologie

Diese stellt israelitische und jüdische Könige einander gegenüber. Basis ist der Bibeltext. Auf ausserbiblische Synchronismen wird verzichtet. Ziel ist ein möglichst komplettes Verständnis des letzten Redaktions-Stadiums der biblischen Chronik.

Ergebnis

Aus der grundsätzlichen Möglichkeit einer Chronik können verschiedene Schlüsse für Redaktionsabläufe gezogen werden. Diese Redaktion veruchte durch Referenze im Bereich Jotams zu historisieren. Ein ursprüngliches Modell legt nahe, dass die Angaben der Könige von Israel Joas bis Hosea ihrer Regierungslänge nach korrekt sind, wobei Pekach von 20 nach 2 Jahren korrigiert wird. Die rein auf biblische Daten begründete Chronik verlässt ab Pekach den historischen Rahmen, und wird ab Joahas definitiv inkompativel. Dennoch bleibt sie in sich selbst machbar. Selbst die Angabe, Asaria wurde König im 27. Jahr Jerobeams, bildet kein Hindernis.
Der weitere Vorgang ohne diese Krrekturen blickt auf die "Krankheitsgeschichten" von Asaria, Asa, und Joram als Hinweis für eine weitere Bearbeitung.
Die Chronik stösst für den Antritt Rehabeam und Jerobeam ins Jahr 950 BC (Tischri 2812) vor. Aus diesem Datum konnte keine Relevanz gelesen werden.

Die integrale Chronologie der Königszeit wird auf einer eigenen Seite dargestellt und diskutiert.
Die intergrale Chronologie der Könige

Israel und Assyrien

Wie verlässlich sind die Angaben zu den israelitischen Königen in der Bibel? Unter der Prämisse dass die AKL Assyriens in Ordnung sei, wurden die Könige untersucht.

Ergebnis

Die Reihenfolge der Könige Israels ist grundsätzlich in Ordnung. Die Regierungsdauer aber muss für Pekach gekürzt werden. Verdächtig sind die Angaben der Regierungsdauer von Jerobeam I bis Jehu. Jehus Zeit muss gekürzt werden.
In einer These wird Ahasja der Sohn Ahabs mit Joahas dem Sohn Jehus gleichgestellt im Sinne einer Restauration der Omriden nach Jehu. Die Historizität der Könige Judas vor Jotam wird bezweifelt.

Zur detaillierten Analyse :
Israel und Assyrien

Der Fall Jerusalems

Noch einmal werden alle Referenzen in der Bibel und ausserhalb derselben herangezogen, der Fall jerusalems zu beleuchten. In welchem Jahr war der Fall - 586 oder 587 BC ? Welche Jahrmethoden gelten für die Könige und für Hesekiel?

Ergebnis

Dem heutigen Mehrheitskonsens, welcher den Fall auf das Jahr 586 datiert, kann nicht widersprochen werden. Die Bibelangaben stützen kein anderes Jahr. ohne dass sich die Wiedersprüche vermehren würden. Für die Könige ist ein durchgängiges Tischrijahr von Josia bos Zedekia nahezulegen.

Zur Jahrchronik mit allen Referenzen :
Der Fall Jerusalems

Josia und Necho

Eine Bestandesauffnahme der Quellen, Daten und archäologischen Erkenntnisse. Allgemeine Probleme in der Chronologie liess es sinnvoll erscheinen das historische Umfeld im Advent der Bibel (spätes 7.Jh. bis frühes 6. Jh.) darzustellen.

Ergebnis

Trotz möglicher Vorschläge zu einer Revesion sehe ich derzeit keinen Anlass, von der Darstellung durch den Konsens abzurücken. Die Revisionen sind nicht überzeugender. Ich nehme aber zur Kenntnis, dass archäologische Daten zu Wünschen übrig lassen. Insbesondere wirft das historische Datum Josias und des Fundes des Gesetzes eindeutig wiedergegeben im Baum der Erkenntnis Fragen auf bezüglich Intention des biblischen Berichts für den BdE und seine historische Verlässlichkeit.
Chronologie: Josja und Necho

Der Sothiszyklus in der Bibel

Abhandlung über Aufstieg und Fall des Sothiszyklus in der Geschichte und seine Rolle im Pentateuch. Anhand von Zitaten wird die Entwicklung seiner Bedeutung dargestellt. Nach dessen Irrelevanz für die Archäologie wird Censorinus nochmals gelesen und nach dem Sinn einer neuen Ära gefragt.

Ergebnis

Nachdem er für de Archäologie ausgedient hat, wird er gefunden als Strukturmittel für den Pentateuch. Der Pentateuch wird in Perioden dargestellt. Es zeigt sich, dass der Bar Kochba Aufstand wohl eine Folge solch periodischen Designs war. Es bleibt die Frage, wie (d.h. mit welcher Absicht) Censorinus Mitteilung zum Sothiszyklus zu lesen ist.
Chronologie: Der Sothiszyklus

Die Richterzeit

Die Angabe von 480 Jahren wird auf innere Konsistenz hin untersucht nachdem bereits für die Könige Judas ein 480 Jahre Zyklus gefunden wurde.

Ergebnis

Die Richterzeit beinhaltet ein gut dokumentiertes 466 Jahre Schema, was genau der Summe aller Könige Judas entspricht. Das 480 Jahre Schema ist dabei nicht in allen Punkten definiert. Zuletzt wird der Zusammenhang von 480 Mondjahren als 366 Sonnenjahre erörtert. Eine Ernährungsberaterin und viel Fett spielt eine Rolle beim Verständnis der biblischen Angaben.
Chronologie: Die Richterzeit

Grosse Zeitspannen in der Bibel

Obwohl für die Historie nicht relevant, werden die biblische Angaben zur Richterzeit und zum Aufenthalt in Ägypten behandelt. Eine bestehende Seite, die überarbeitet wurde und dem Thema Chronologie beigefügt wurde.

Ergebnis

Sowohl für 430 Jahre wie für 215 Jahre Aufenthalt gibt es Gründe. Innere Widersprüche der Bibel tauchen auf jeden Fall auf.
Chronologie: Grosse Zeitspannen in der Bibel

Die Sintflut in der Bibel

Die Rolle der Sintflut in der Bibel für die Bibel und bibeleigene Chronologie wird untersucht.

Ergebnis

Die Bedeutung des Sintflutberichts liegt darin, dass er im Baum der Erkenntnis parallel zur Zerstörung des Tempels steht. Der Bericht ist eine Parallelanlage zur Schöpfung und er offenbart überdies die Einführung des Lunisolarkalenders mit dem Beginn des Exils. Der Bericht selbst ist demnach ein stark überarbeitetes Fragment eines eventuell früher vorhandenen kanaanitischen Sintflutepos.
Chronologie: Die Sintflut in der Bibel

 

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Lösung zur Jahreszahl Assoziation

"1933"
Die Machtergreifung Hitlers.

"1618-48"
Der dreissigjährige Krieg.

"28"
Jesu Taufe und Beginn seiner öffentlichen Predigt.

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