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Bibelforschung

© elcappuccino - last update: Okt. 2003

Die Krux: INRI

Herkunft und Bedeutung des Kürzels INRI und eine kritische Betrachtung zum titulum, welches in der Kirche «Santa Croce in Gerusalemme» aufbewahrt ist

Die Krux mit dem Krux
Die Krux: I.N.R.I.

Das Ende des Markus Ev.
Hebron - das ist Ägypten
Quellentheorie zum AT
Inoffizielles zum AT
Kabbala im Vergleich zwischen MT und LXX
Stellenvergleich MT und LXX

                                              
                                

Was bedeutet INRI?

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Was bedeutet INRI? Der Leser hört am häufigsten die Antwort: der König der Juden.

Mt 27,37 Und sie befestigten über seinem Haupte die Inschrift seiner Schuld: Dies ist Jesus, der König der Juden.

Mk 15,26 Und die Überschrift, welche seine Schuld anzeigte, lautete also: Der König der Juden.

Lk 23,38 Es stand aber auch eine Inschrift über ihm in griechischer, lateinischer und hebräischer Schrift: Dieser ist der König der Juden.

Joh 19,19-20 Pilatus aber schrieb eine Überschrift und heftete sie an das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus, der Nazarener, der König der Juden. /
Diese Überschrift lasen viele Juden; denn der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt, und es war in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache geschrieben.

Der Leser wird bemerken, dass INRI als Jesus von Nazareth der König der Juden gar nicht alle Evangelien reflektiert, sondern am ehesten mit der Formel nach Johannes übereinstimmt. In drei Sprachen war es geschrieben. Aber war es auch dreimal im gleichen vollständigen Sinn geschrieben, oder war nur die lateinische Version vollständig?

Es gibt sie anscheinend, diese Holztafel die zur Vorlage für das Kürzel INRI über den unzähligen Gemälden diente. In Rom aufbewahrt ist eine Holztafel, die das Originalkreuz geziert haben soll an welchem der originale Jesus von Nazareth die verhängte Strafe verbüsste.
In drei Sprachen, so erfahren wir in der Bibel nach Lukas und Johannes, war das Argument aufgeführt, mit welchem die Kreuzigung rechtfertigt wurde.

Ich will zunächst auf das titulum (die Schuldschrift) von St.Croce eingehen, da es mir gelegenheit gibt, kommentierend etwas zu INRI zu sagen. Dann wende ich mich wieder den Evangelien zu.
 

Das titulus zu St.Croce

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Herkunft des titulus

1997 entschloss sich der deutsche Historiker Michael Hesemann, die Tafel zu untersuchen, welche in der Kirche «Santa Croce in Gerusalemme» («Zum Heiligen Kreuz in Jerusalem») in Rom als Reliquie aufbewahrt wird. Verschiedene Wissenschaftler wurden zur Untersuchung eingeladen, darunter auch der Paderborner Papyrologe Carsten Peter Thiede.
Thiede ist der Ansicht, die Tafel sei echt. Thiede erklärte, er habe die Holztafel mit literaturwissenschaftlichen Methoden auf ihre Echtheit geprüft. Die Inschrift laute tatsächlich wie im Neuen Testament beschrieben «Jesus von Nazareth, König der Juden». Eine mittelalterliche Fälschung der Holztafel schliesst Thiede aus. Der jüdische Schreiber der Tafel habe aus Gewohnheit den lateinischen wie den griechischen Text von rechts nach links geschrieben, wie es in hebräischer Sprache üblich sei. Thiede: «Kein christlicher Fälscher aus dem Mittelalter käme auf die Idee, einen solchen Schreibfehler zu machen, ein jüdischer wäre allerdings dafür geradezu prädestiniert gewesen.»

Was für Wechselwirkungen gibt es zwischen dem titulum und den Textzeugen? Ich möchte nun den Bericht von Michael Hesemann wie folgend unterbrechend kommentieren. Den ganzen Bericht um Geschichte und Test des titulus INRI von St.Croce lesen Sie bei der Quelle: titulus Hesemann

According to several Church historians of the 4th and 5th century, the "titulus" was discovered, together with the "true cross" itself and three nails, in a former cistern during the construction of the Church of the Holy Sepulchre in Jerusalem, according to Christian tradition both the site of Jesus´ crucifixion and resurrection, since he was buried "nearby" (John 19,42) Calvary. The church was built by order of the roman Emperor Constantine the Great (306-337) who sent his mother Helena, a pious Christian, for the arrangements to Jerusalem in 325 AD. Helena, as it is stated, divided the precious relics into three parts, left one in Jerusalem, sent the other to her son in Constantinople and took the third to Rome, into the private Chapel of her palace, together with some earth from Calvary.

Solche Legenden sind wunderlich. Bedingen sie doch sehr viele Umstände die einen solchen Fund möglich machen. Das Verhalten der Jesujünger in den Evangelien belegt, dass ihnen an der Evaquation der Zeugnisse nicht viel gelegen war. Wie sollten sie in die Hand des richtigen Kreuzes kommen, an dem dann noch das Schild hing? Gut. Unmöglich ist es nicht. Aber denken wir daran dass zwei Zerstörungen über Jerusalem und Israel nach Jesus Kreuzigung gingen.

Zum Zustand des titulum

The titulus is 25x14 cm in size, 2.6 cm thick and has a weight of 687 g. It is inscribed on one side with three lines, of which the first one is mostly destroyed. The second line is written in Greek letters and reversed script, the third in Latin letters, also with reversed script. We can read the words
    z´nh
    BSUNERAZA(H)N.SI
    RSUNIRAZAN .I
Read from right to left, obviously in imitation of the Jewish way of writing, we can read: I. NAZARINUS RE, obviously a part of the inscription of the cross, as quoted in the Latin translation of the Gospel according to St. John (19,19) as "Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum". Interestingly enough, the Greek line is a mere Greek transcription of the Latin line rather than a translation, in contrast to the original Greek quote of the Gospel according to St. John as "Ihsous Nazoraios Basileus ton Ioudaion". The variations from the version of St. John are:
  1. The order of the lines (St. John: Hebrew, Latin, Greek; titulus: Hebrew, Greek, Latin)
  2. The reverse writing, not mentioned by St. John
  3. The Initials "JS" and "I." instead of the full name "Iesous/Iesus".
  4. The use of the Latin "Nazarinus/Nazarenous" instead of the Greek "Nazoraios", even in the Greek line.
Two experts, Prof. Thiede and Prof. Roll, consider this a major indication of the authenticity of the titulus. First of all, a variation of Joh. 19,19 is a freedom no forger would ever risk. But it makes sense, since Pontius Pilatus, who, according to the gospels, dictated the inscription, was a Roman magistrate and used, especially for official documents, the official language Latin. It was up to the writer to create a version in the other two languages, and therefore it was rather unlikely that he transferred the term "Nazarinus" in the correct Greek form. The abbreviation of the name "Iesous/Iesus" as "I." is typical for Roman Latin inscriptions. Since "Yeshu/Yehoshua" was a common name during the 1st century -Flavius Josephus mentions 16 persons with this name-, the unique "Nazarinus" rather pointed to the Savior from a small village in Galilee, at least for a Roman magistrate, although such an abbreviation in contrast to John 19,19 would be unthinkable for a Christian forger. ....

Die Reihenfolge ist zweifellos verkehrt, aber nicht nur in Bezug auf Johannes.
Lukas sagt in griechischer, lateinischer und hebräischer Schrift: Dieser ist der König der Juden.
und Johannes sagt: und es war in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache geschrieben.
Die Angaben zur Sprachreihenfolge sind bei Johannes und Lukas also genau umgedreht.
Wir können auch das titulus auf den Kopf stellen, aber dazu mehr weiter unten....

Mir fällt dabei auf, dass immer nur von einem christlichen Fälscher gesprochen wird. heute gibt es viele Reliquienhändler die keineswegs die Religion ihrer Kundschaft teilen. Zweitens geht Tiede davon aus, Johannes sei die Blaupause und Norm. Damit unterschätzt er durchaus die Betrachtung der Alten dieses Evangeliums, das sich viele Freiheiten erlaubt. es ist zuweilen unmöglich, dem Joh.-Ev. zu folgen ohne einem anderen Evangelium auf die Füsse zu treten.
Alles was die Tafel sagt ist, dass sein Schreiber primär Aramäisch orientiert war. Aber die linksläufige Schrift gibt doch zu denken. es ist zwar leicht, spontan nach links zu schreiben, aber nicht so einfach spontan Buchstaben spiegelverkehrt zu schreiben, vor allem dann nicht, wenn die Praxis der Buchstaben rechtsläufig vor augen ist. es braucht Wille dies so zu tun und zeugt dafür, dass die Tafel nicht so schnell und nebenbei geschrieben wurde.

Es fällt auf der Umlaut für ou, belegt für Spätbyzantinische minuskel ab dem frühen 6.Jh. aber kaum gebräuchlich davor. Hesemann meint zwar, solche Umlaute für ou (sieht wie ein verkehrtes Freespech zeichen aus) seinen in der Frühzeit vereinzelt (1.-bis 4.Jh) gefunden. Ich bin nicht Spezialist genug um dies zu beurteilen. Wenn ein Ulaut aber nicht gebräuchlich ist, macht er denn Sinn bei einem titulum, zumal der Schreiber selbst offenbar das Griechische nur transkribiert haben soll, also auch nicht sehr bewandert war?
Weiter fällt in der griechischen Zeile nebst dem Schreibfehler H das X für Xi auf (es ist auffällig kein Z). Das liest sich dann wie IS.NHAXARENOUS
Auf dem Reliquiar sieht man nochmals angeschrieben, was auf dem Brett stehen soll. Auch diese kleine Tafel ist spiegelverkehrt aber anstatt dieses X lesen wir ein Z, nicht also das was zu sehen ist. Aber dieses Z ist verkehrt.

Weiter fällt auf. die Buchstaben sind geschnitzt, und nicht etwa mit Kreide geschrieben oder nur bemalt. Wenn es um ein Todesurteil ging, das binnen Frist abgeschlossen war, warum sollte eine Schrift bleibend geschrieben werden? Hättes es praktisch nicht gedient, auf einer Tafel mit Kreide zu schreiben? Das gleiche Schuldbrett konnte so wieder und wieder verwendet werden.

....It is furthermore significant that the writer used the Latin NazarInus instead of the later Christian NazarEnus. Indeed, NazarInus is closer to the Hebrew NozerY/NazarY and seems to be the original form. Both indicates an early, even contemporary origin.

Um deutlich zu sein.... NazarInus wird in der "lateinischen" Zeile gelesen, aber in der "griechischen" Zeile steht Nazarenous mit E wo ein H gegeben wäre, handelte es sich um reine Transkribtion. Womit das Argument ad absurdum geführt ist. Würde Hesemanns Argument stimmen, hätte der schreiber, da er ja nur aus dem Latein ins Griechische transkribierte, auch dort Nazarinus schreiben müssen.
Ansicht: das titulus als gefasste Reliquie und das titulus in Frontalansicht

The remains of the first line can be identified as Jewish script. Readable are only the letters Heh, Nun and Tzadi, which very well might have been parts of the Hebrew text of the inscription
    (YSU´) HN´Z(RY MLK HYHUDIM)
    (Yeshu H´Nozery Melek H´Yehudim)
The edges of the titulus show a strong withering. The right edge is severely decayed, a part of the upper edge is broken off, on the lower edge the letters I and ARIN are difficult to see. Only the left edge is undamaged..
Obviously here the wood was cut at a later date and from this moment on preserved safely. This condition of the title seems to confirm the tradition according to which the title was hidden for 295 years in an old cistern close to the Calvary, bevor it was discovered and obviously cut into two pieces by St. Helena who brought one half to Rome. The division is indicated by the clean cut on the left side and the missing part of the inscription. If this indeed was, as John (19,19) and the Church historians (with the exemption of Sokrates Scholasticus who obviously got his information from Jerusalem, referring to the relic preserved there), IESUS NAZARENUS REX IUDAEORUM, we can reconstruct the inscription of the other half, remaining in Jerusalem, as
    miduhyh kl(m)
    NOIADUI NOT SOELISA(B)
    MUROEADVI XE(R)

Okay. Das Brett des Schuldbriefes war es offensichtlich wert, dass man es halbierte. Dies zeugt nicht gerade für ein Echtheitsattest.

Especially in the middle of the title chalky-greyish remains of color are still visible, furthermore traces of black color in some of the letters. This is characteristical for the Roman way to write the "titulus damnationis", as the archaeologists and historians Maria Siliato and Werner Eck stressed: First of all the wood was painted with white chalk, than the exactor painted the reason for the punishment on it with black or red letters. That the letters were also carved was rather an exemption. Although Eck states that there indeed were wood tablets with carved inscriptions, painted over with chalk, the letters painted out, these were rather common for public buildings or as tituli sepulcrales. A titulus damnationis, he thinks, would rather be reused. On the other hand it is rather questionable if tituli were in common use for provincial executions at all.

Genau... man muss unterscheiden zwischen den tituli in Rom und solchen in den Provinzen. Gerade in Rücksicht auf die Bestattung am gleichen Tag machen sorgfältig = dauerhafter gemachte tituli keinen Sinn. Sie machen aber Sinn für die Reliquien der Kirchen.
Wenn ich die Bilder zum tiulum sehe, fällt mir auf dass schwarze Flecken vermehr an Stellen sind, wo kein Buchstabe ist. Die schwarze Farbe hat häufig nichts mit den Buchstaben zu tun, Sinn und Herkunft sind unklar. Die Bilder sind leider nicht in einer Qualität, die Unterschiede zwischen schwarzer Farbe oder Schattenrisse im zerstörten Holz klar ersichtlich macht. Der Betrachter sollte das Bild 90 Grad gegen den Uhrzeigersinn drehen, um einen natürlichen Schattenwurf zu sehen.
Eine Eigentümlichkeit ist ein Schreibfehler im Schild in der griechischen Zeile

    BSUNERAZA(H)N.SI
Das H zeugt entweder von Eile wenn es ein Fehler war, der nicht ausgemerzt wurde, oder um eine beabsichtigte andere Lesart und/oder die Interpretation von Hesemanns Experten macht ihn zum Schreibfehler. Ein Schreibfehler passt schlecht zu einem bemalten geschnitzten und nachgezogenen Tituli.

Furthermore we have to ask if Pilate, who arrived with his Kohort in Jerusalem to guarantee a quiet Pesach, indeed took a whole staff of provincial officials wih him. The titulus rather was a form of "special treatment", of mocking of the "King of the Jews", ordered by Pilate and probably written by an officer who was able to write, maybe a Centurio. The relic rather allows the conclusion that it was written by an untrained writer, maybe a Levantine, inexperienced in other languages, writing by dictate. A reuse can be excluded since there were no regular trials in Jerusalem - they took place in the provincial capital of Caesarea Maritima.

Ein Wiedergebrauch macht dann keinen Sinn, wenn der Name des Gekreuzigten geschrieben ist. Es wäre für namenlose Standardtituli denkbar, dass sie geschnitzt waren. Hier haben wir aber eine etwas fragwürdige Kombination.

Only for the major Tempel Holidays the prafectus iudaeae came to Jerusalem to guarantee the public order. Only during this time he sat in judgement over imminent cases. Since everything which came in contact with the deceased was considered "unclean" by the Jewish Law (4 Mos 19,13-16), victims of executions had to be buried on the very same day (5 Mos 21, 22-23) and actually Jews removed the traces of the execution, it can be excluded that the titulus Crucis or any other remain of a public execution was eher brought back in the city to be reused.

Womit überhaupt geschnitzte tituli sinnlos werden.

Ich finde Thiedes Argument nur auf den ersten Blick logisch. Im Reliquienmarkt aber und in einem Umfeld wo man kontroverse Haltungen zum Christentum nur verborgen aussprechen kann, ist auch ein solche verkehrtes Schild nicht ausgeschlossen. Es gibt manche Gemälde auf welchem das INRI z.B. ein spiegelverkehrtes N aufweist. Die spiegelverkehrte Schreibweise des Schildes verleitet dazu, es auf dem Kopf zu betrachten......... Nun wir kennen dieses Motiv aus dem Tarot.

Es gibt verschiedene Gründe für Reliquienherstellung. Der Tourismus, fabrizierte Apologetik oder auch die Möglichkeit, in eine Reliquie etwas hinein zu codieren, das man sonst nicht sagen kann. Als Relique ist die Verbreitung gewährt, und ein ketzerischen trojanisches Pferd landet in der Kirche. Dies nur als mögliches Szenario.

Es gibt natürlich einen Gedanken, den wir hier nicht ausgesprochen haben. Jesus wurde zwar schnell aber nicht unvorbereitet verurteilt. dies lässt tatsächlich Raum dass ein titulum speziell vorbereitet wurde, von wem auch immer. Die derzeitige Analyse des titulum ist mir nicht genug, um seine Echtheit zu glauben.

Faktor Zeit:
Ein Schild, graviert, weiss bestrichen, dann die Buchstaben schwarz ausgemalt, von der Art der Einzelanfertigung: Der dieses Kunststück fertigbrachte hatte wenig Zeit, eventuell überhaupt zu wenig Zeit seit dem Beschluss dass Jesus von Nazareth gekreuzigt würde. eventuell hing er schon am Kreuz bevor die Farbe trocken war... Das Zeitproblem kriegt man nur dann in den Griff, wenn man entweder das Schild vorfabriziert oder nachfabriziert. Letzteres ist wahrscheinlicher. Ein ausstehender C-14 Test des titulum von St.Croce wird nicht die Echtheit bestätigen, sondern eher die Frage vorher-nachher tendenziell entscheiden.
Falls nun der Schreibfehler IS.NHAZ... als Argument für die Eile genommen wird. Der Schreiber hatte alle Zeit der Welt, dieses "falsche" H auch noch gemütlich und reichlich schwarz auszumalen, so dass es auf auf Hesemanns Webseite so richtig zur Geltung kommt.

Hesemann beruft sich für seine Schlussfolgerung auf den Majorz der Experten.

Only one expert, Prof. Eck of Cologne, refused any palaeographic dating because of the lack of comparative examples on the same medium, contemporary wood inscriptions.
CONCLUSION: None of the consulted experts for Hebrew, Greek and Latin Palaeography found any indication ofa mediaeval or late antique forgery. Instead, they all dated it in the timeframe between the 1st and the 3./4thcentury AD, with a majority of experts preferring and none of them excluding the 1st century. Therefore it is very well possible that the "Titulus Crucis" is indeed the title of the cross of Our Lord.

Was sagen nun drei konsultierte Experten zu den hebräischen Fragmenten?

Unfortunately this line is in such a bad and withered condition that one expert could not draw a definite conclusion on the palaeographic findings at all. Still, with different arguments, two of the three consulted experts for Jewish palaeography found obvious characteristics typical for the timeframe between the 1st and early 4th century AD. Both experts remarked the cursive style of writing and the long "tails" of the letters. Dr. Barkay identifies them als "palaeo-Hebrew", Dr. Eshel for "Jewish cursive writing", both typical for the end of the "2nd temple period", the 1st century AD, but also used in the following two centuries. Dr. Gabriel Barkay was sure that the writer was inexperienced and most probably not a Jew.

Wenn ein Paläographe aufgrund kleiner Textfragmente zum Schluss kommt, dass der Schreiber mit dem Hebräischen nicht vertraut war, dann zeigt dies, wieviel Schlüsse aus wenig gezogen werden. Nach Hesemanns Theorie muss es aber ein Jude gewesen sein, weil sonst die Theorie der linksläufigen Schrift als Argument für einen semitischen Schreiber zusammenbricht. Gut... Barkay war hier ein einzelnes Statement und eben nicht die Mehrheit.

Ich selbst bezweifle die Authentizität des Schilds mit der Aussage, es war nicht ein gewöhnliches titulus das in den Ablauf der Verurteilung und Kreuzigung hineinpasst.
Paläographie ist keine Wissenschaft, die uns über Datierung etwas sicheres aussagen kann. Sie kann nur einen Rahmen vorgeben.
Auf der Tafel sind weiter Tatsachen vorhanden, die nicht in den von den Experten geschilderten Kontext passen: Der vermeintliche Schreibfehler und schwarze Farbe ausserhalb der Buchstaben. weiter suspekt ist die Schreibrichtung.
Ferner Weise ich auf die Agenda von Hesemann hin, die bereit ist, aus dem titulum vollkommen überzogene Schlüsse über die Gültigkeit der Evangelien zu ziehen (sie weiter unten).

Hier können sie die Bilder des Titulus in einem separaten Fenster konsultieren. Seltsamerweise zeigt das Schild im Reliquiar rechts unten mehr Beschädigung als die Frontalansicht. Das Bild im Reliquiar zeigt überdies Manipulationen, die nicht von der Photographie oder der Bildwandlung herrühren können.
das titulus als gefasste Reliquie
das titulus in Frontalansicht

Es ist fragwürdig, aufgrund von Netzbildern Schlüsse zu ziehen. Eine Beurteilung muss am Objekt selbst geschehen.
 

Die Evangelisten

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Die Varianten

Zurück zu den Evangelisten. Wenn wir uns einmal vom titulus lösen müssen wir uns dennoch Gedanken machen, wie die Mitteilungen der Evangelisten zu einer praktischen Ausführung des titulus sich verhalten.

Markus ist kurz: König der Juden. Das reicht nicht für ein INRI.
Mathäus: dies ist Jesus König der Juden. das gibt auch kein INRI.
Lukas hat: dieser ist der König der Juden. Ergibt auch kein INRI.
Allein der späte Johannes bringt die Schrift so, dass wir in Latein das INRI erkennen können. Iesvs Nazarenvs Rex Ivdaeorum (eigentlich als Bandwurmwort am Stück)
Wie kommen die anderen Worte zustande? Möglich, dass Lukas und Mathäus die anderen Sprachen reflektieren, so dass Lukas den Griechischen Text reflektiert der Jesus von Nazareth auslässt.
Auch hier ist das titulus von St.Croce eindeutig in allen Sprachen auf die Johannesformel gebracht. Das titulus liesse sich auch anders ergänzen. Aber Autus estin ihsous (griech.) wie bei Lukas ist eindeutig nicht vorhanden. Der Ursprung des titulum von St.Croce spiegelt eine spätere synoptische Tradition.

Wie wichtig war der Name auf dem Schild? Eigentlich war "König der Juden" das Argument für die Kreuzigung und nicht Nazareth oder Jesus. Ich vermute sehr stark, dass die Formel INRI dem synoptischen Geist entspringt.

Es wäre denkbar, dass das titulus den Satz dies ist der König der Juden in drei Sprachen enthielt. Dies ist eine kurze Ausführung, die schnell ausgeführt werden kann. es würde keinen Sinn machen wenn Lukas eine längere Version verkürzen würde.

Die zweite Variante besagt, dass die Ausführung in den Sprachen unterschiedlich war. Diese Theorie aber muss annehmen, dass Johannes primär für ein römisches Publikum schrieb, da nach dieser Theorie nur im der lateinischen Variante der Titel mit Jesus von Nazareth wiedergegeben war. Johannes aber schrieb nicht für ein römisches Publikum.
Die Vollständigkeit des lateinischen Texts wird damit begründet: es sei die Sprache der Jurisdiktion, wonach in dieser Sprache der Schuldspruch vollständig wiedergegeben wurde.

Aber auch dieses Argument überzeugt nicht, denn es kam primär darauf an zu sagen, warum jemand gekreuzigt wurde, und hier war "der König der Juden" ausreichend.

Dass Mathäus den Namen Jesus aufnimmt in die Inschrift ist kein Argument für eine ursprünglich vollständige Beschriftung. Mathäus ergänzt nur, und überdies nicht logisch. Was Markus als Nachtrag schildert, wird bei Mathäus zu einer zu späten Handlung (das Befestigen des Schilds).

Ich denke überdies, dass der König der Juden aus Nazareth und nicht aus Bethelehem (wie es so schön zu Lukas und Mathäus passt) typisch Johannes ist, ein zusätzliches Moment und ein zusätzlicher Widerspruch.

INRI als verschlüsselte Aussage

INRI muss als Sonderformel aber noch eine andere Bedeutung haben. Dieses INRI wird als Formel auf Gemälden abgebildet, und keineswegs das ausgeschriebene Schild. Verkürzende Symbolik ist erklärlich. Ich denke aber auch. Das Kreuz ist eine Anklage. Und das Kreuz ist der Ort wo das Wort Gottes gekreuzigt wurde. Ein Jude würde bei INRI mittels Gematria lesen :

    Yud - Nun - Resch - Yud = 10 + 50 + 200 + 10 = 270
    Das ist die gleiche Gematria wie RO (hebräisch für böse) 200 + 70 = 270
Das Kreuz, an welchem die Klage festgenagelt war wird um Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen schlechthin. Und das Kreuz selbst ist die Antwort, warum Rabbi Jesus getötet wurde. Nun: INRI ist nicht hebräisch geschrieben auf den Gemälden.

So ein letztes Wort zum tituli von St.Croce. Dieses wurde halbiert. Die eine Hälfte ging verloren, die andere blieb erhalten. Der Rex Judaeorum wurde verworfen, Jesu von Nazareth blieb erhalten. Ist dies die Antwort eines Johannitischen Symbolimus, der Moses Tafeln zerbricht, das Gesetz verwirft? Es klingt spekulativ, aber es passt. Und die Reliquie war/wurde mehr als eine Reliquie.
Es passt und passt doch nicht. Es lohnt sich die Bilder auf Michael Hesemanns Seiten genauer zu betrachten (INRI Hesemann). Die Bilder sind leider von schlechter Qualität, zeigen aber etwas von der Art der Zeichen. Mir sind solche Zeugnisse schon begegnet. Sie machen einem Kopfzerbrechen. Die Expertenbefragung ist zu wenig genau ausgeführt und es ist nicht klar, was diese Experten sahen, ob sie das titulus begutachteten oder (sehr wahrscheinlich) lediglich Bilder davon. Ein solches Produkt zu propagieren attestiert den involvierten "Wissenschaftler" entweder mangelnden Verstand oder eine unwissenschaftliche Agenda. Vielleicht erhellt sich die Agenda aus den Schlüssen die Hesemann aus dem titulum zieht.

1.The authenticity of the titulus indicates, that indeed the Fourth Gospel was written by an eyewitness, confirming the tradition of the Holy Church. John alone quotes the title literal, not just its content, as the other three evangelists. Since in our age the authenticity of the Gospel according to John was often enough doubted because of its "advanced Christology", this discovery might cause a paradigm change in modern theology: John stood indeed beneath the cross, developed his high theology based on his intimacy with Our Lord Jesus Christ.
Furthermore John is the only source we have for the "stabat mater dolorosa", the presence of the most holy Virgin under the cross. If we confirm John as an eyewitness, there cannot be any doubt that indeed he, together with the Mother of God, listened to the words of Our Lord on the Cross.

Ich finde es geradezu haarsträubend, aufgrund eines einzigen Artefakts, das dazu noch sehr zweifelhaft dargestellt wird, Johannes als ersten und wichtigsten Zeugen hinzustellen. Dies übersieht die vielen Hinweise der Entwicklung und gegenseitigen Reaktion zwischen Lukas und Johannes und zwar in dieser Entwicklungsrichtung. Es ist richtig dass Johannes eine andere Agenda hat als die Synoptiker. Und diese ist wichtig. Aber sie ist in vielem Fiktion im Dienste der Reflexion des AT, und nicht eins zu eins Augenzeuge.

2.The titulus is the only remaining juridical document -a "titulus damnationis"- of the lawsuit of Our Lord and therefore a unique document of both, history and "Heilsgeschichte". Its way from Jerusalem to Rome symbolizes the way of the early church. In Jerusalem the sign of salvation, after the years of persecution, was retrieved, from Rome it went around the world. Therefore the Basilica di Santa Croce in Gerusalemme, the Roman Jerusalem, is an important symbol for the Holy Year 2000, which, according to His Holiness, Pope John Paul II., is to be celebrated "in Rome and Jerusalem".

Nochmals falsch. Heilige Schrift impliziert Jurisdiktion und so wird Jesu Botschaft aus dem Erbe des AT reflektiert.

Die Tatsache dass 7 von 8 Wissenschaftler dem titulum eine Echtheit innerhalb des 1. bis 4. Jh attestierten, ist nach meinen obigen Bedenken kein Überzeugendes Argument. Laut Angabe sollte die schwarze Farbe in den Rillen der Buchstaben liegen, nicht anderswo und schon gar nichts anderes suggerieren. Rätsel über Rätsel in diesem Brett.

Hesemanns Agenda wird klar, wenn wir sehen aus wie wenig er so viel herleiten kann/will. Die Propaganda einer ursprünglicheren johannitischen Richtung gegenüber der Synoptik und Paulus ist modern, hält aber nicht stand.
Nun denn.... Hesemann will, dass Johannes den wörtlichen Text überliefert vom titulus. Nach Hesemann hätte Johannes schreiben müssen: IS.NAZARENOUS BASILEOS TON IUDAION
Und was schreibt Johannes im Evangelium? : O NAZWRAIOS O BASILEOS
Tut mir leid, ich hab nicht alle Tage ein "wissenschaftlich" propagiertes Schild so schräg am Pfahl hängen sehen.

Johannes Werke sind Reaktionen auf die Synoptiker, eine Korrektur. Johannes kam es eher darauf ein den Leser in das AT einzuführen, wobei er Jesu Leben als Gleichnis für Etappen des AT schilderte. Dies ist die Weise, wie er den Leser ermunterte, das AT zu begreifen. Paulus und Johannes unterschieden sich nicht darin, dass sie wussten was das gekreuzigte Wort Gottes bedeutet. Sie unterschieden sich darin dass Paulus wusste und nicht lernte, Johannes aber erarbeitete. Paulus predigte die Befreiung, Johannes aber das Wozu. Deshalb griff Johannes ergänzend in die Tradition ein.
 

INRI im Bibelcode

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Der Bibelcode ist ein neues und zugleich altes Phänomen. Derweil heute mittels Programmen vollkommen überzogene Erwartungen an den ELS Bibelcode gestellt werden, ist wohl nicht zu zweifeln, dass es schon seit dem Ursprung Code nach dem Typ ELS (equidistant letter sequenz) gab. Es ist zu vermuten, dass populäre Teile der Tenach besonders sorgfältig kopiert wurden. Dazu zähle ich etwa die ersten Kapitel Genesis, oder die zwei Teile im Deuteronomium, welche die Mezuza bilden.

Ich arbeite nicht mit Bibelcodeprogrammen, habe mir aber selbst ein Instrument erstellt, welches ELS Phänomene in Genesis erforschen lässt. Dazu möchte ich ein Beispiel bringen.

Das Beispiel rechts entstammt dem Buch Genesis Kap 1-2.
Genauer gesagt, der erste Buchstabe beginnt im Satz:
BRASYT BRA ALHYM AT HSM(YM)
Im Anfang schuf Gott den Namen (oder die Himmel)

Nun wende ich eine ELS von 565 an. YHVH ist 10565.
Diese Sequenz ist also nicht ohne Bedeutung.
Wir finden im Text den Code: SM INRI
Oder gemeint: Im Anfang schuf Gott den Namen INRI

H Y M A T H S M Y M V A
O V - B V L M Y N H V V 
Y - O R B V Y H Y - B Q 
R O S H V H N H - # V B 
V H Y H L A R B O H R A 
N H V Y B N Y H V H A L

Wie der Bibelcode zu erstellen ist, ist nicht beschrieben. Diese Methode hier berücksichtigt die Bindestriche wie Buchstaben, wie dies auch die meisten Bibelprogramme machen. In meinem Tabellenblatt kann ich diese ignorieren lassen mit dem Effekt, dass der Code wie zu erwarten verschwindet.

Was spricht für diesen Code (dass er nicht ein zufälliges Phänomen ist) :

  • Der begrenzte Textaufwand (3281 Zeichen)
  • Ein prominentes Textstück, die Genesis als Wurzeldokument für den BdE und andere kryptische Prinzipien.
  • Eine prägnante ELS-Sequenz. Es ist oft gebräuchlich, bei grossen Zahlen die Tausenderstelle wegzulassen.
  • Den Startpunkt an einem wichtigen Inhalt: was wurde zuerst geschaffen.
  • Ausser Hilleli keine Codezerstörende Varianten

Zweite Anordnung in Genesis 3.1
Aber die Schlange war klüger/nackter als
(egal was sie war, sie war das gleiche Wort wie der Mann und sein Weib als sie sich nicht schämten)
ELS = 666 (braucht keinen Kommentar)
Buchstabenaufwand ca. 2000 Zeichen.
zu lesen: Und die Nachasch war "INRI"

Dieser Code ist möglich mit Korentext (hier verwendet).
Andere Ausgaben: Venice Miqraot G'dolot - Sasson - Leningrad - Jerusalem - Keter Aram-Zuba weichen um einen Buchstaben ab vom Korentext in Gen.4.13
Hilleli weicht in Gen.4:4, Jerusalem in Gen.4:7 von Koren ab.
Die Notierung der Bindestriche ist aber bei meinen Unterlagen zu Textversionen nicht notiert.

H N X S H Y H O R V M 
H A S H H N X S H S Y 
R A T - D R K O C H X 
A M R L V Y H V H L K


Damit haben wir zwei signifikante ELS:
einmal in Bezug auf Ha Sem
und das andermal auf Ha Nachasch, zwei mal mit INRI.

Es entspricht meiner Auffassung, dass Johannes, der am ehesten mit der Kabbala vertraut war, sowohl in der Offenbarung wie auch im Evangelium viele Hinweise auf den Baum der Erkenntnis gibt, wie auch auf den Bibelcode.

Die Existenz des Codes mag damit erklären, warum gerade die Formel INRI mit dem Kreuz verbunden ist. INRI wird damit zum Selbstureil der Kreuzigung des Namens Gottes selbst, und zum Fluch.
Notabene... Johannes sprach... und alle werden es anbeten, womit er gewiss weitgehend recht behielt.
Einen Einwurf mag man anhören: nämlich dass die Möglichkeit besteht, dass nach dem Symbol INRI die Textversionen schleichend kodifiziert wurden. Allein die Bindestriche (Platzhalter) geben genügend Spielraum für unmerkliche Anpassung am Text. Ich tendiere jedoch eher zum ersten.
Als Beispiel sei erwähnt, dass die jüdische Chronologie verändert wurde (die Perserzeit wurde massiv verkürzt), so dass nicht mehr auffiel das die zwei Tempelzerstörungen im Abstand von 656 Jahren geschahen. seltsamerweise rückt dabei der Tod Davids ins Jahr 2924, womit er zum Platzhalter des gekreuzigten Priesters in der Mitte des BdE wurde.

Für den Titel INRI ergibt sich damit ein kabbalistisches und nicht historisches Motiv, das gewiss je länger und je mehr an Gewicht und Interesse gewann. Das ist also kein Argument für Hesemanns Reliquie im Sinne eines echten Titulum, aber ein Argument, warum man dieses Titulus propagiert. Ich denke kaum, dass Pilatus Schreiberling ein so gewitzter Typ war, welcher kaum Griechisch schrieb, aber zugleich wusste, dass die Formel INRI auf dem titulum ein höchst gelehrter Schmuck ist.

Der Code ist für mich übrigens nicht ein Beweis für einen ursprünglichen Text. Die Bedeutung INRI, die eventuell ebenso glücklich gefunden damals als Kürzel gebraucht wurde, braucht ursprünglich nicht unbedingt jene Bedeutung gehabt zu haben. Ein Text kann ja mittels der Bindestriche, welche als Platzhalter für nicht existente Buchstaben dienen, relativ einfach angepasst werden, und das Codebeispiel muss den Test gegen andere Texttypen bestehen.

Damit ergibt sich als weiterer Linktip: Bibelcode Kommentar worin gezeigt wird, was die Kreuzigung des Wortes Gottes, das Fixieren mit drei Nägeln in der Horizontalen und Vertikalen bedeutet. Es handelt sich dabei um etwas, was die Kirche in 2000 Jahren nicht fähig/gewillt war, allgemein verständlich zu zeigen, wie so vieles.
Oder mehr zu Johannes: Johannes Evangelium

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mfg elcappuccino Monday, April 28, 2003
Saturday, May 8, 2003 : Ergänzung SM INRI Code in Genesis
Sunday, May 11, 2003 : Ergänzung H Nachasch INRI Code in Genesis

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