
Diese Seite widmet sich dem Kreuz als dem Hauptakt unserer Gospels, aber auch der Rolle des Kreuzes im Christentum, wie im Judentum. Dabei will ich nicht in den Kanon einstimmen, der die Frage um das Kreuz beherrscht, sondern mich auf wenige 'Rosinen' beschränken.
Ich werde einige Details um die Kreuzigung besprechen. Dabei betrachte ich zunächst die sinnbildliche Seite des Geschehens. Die Frage, ob der Mensch Jesu materiell, leibhaftig gekreuzigt wurde, wird hier nicht behandelt. Im Zentrum steht die Frage, was die Kreuzigung im Hinblick auf das Wort Gottes bedeuten kann.
Anmerkung: Diese Seiten wurden im Jahr 2001 verfasst. In der Zwischenzeit habe ich mich anderen Gebieten zugewandt, welche die Kreuzigungsfrage streifen:
a) Die Möglichkeit, dass die Bewegung der Nazarener aus zelotischen Kreisen erwuchsen und dass deren Führer (die nicht notwendig Jesus hiessen) zum Teil gekreuzigt wurden, ist für mich eine akzeptable Theorie.
b) Nebst der tatsächlichen Kreuzigungs-Praxis in der Antike gibt es aber auch eine in der Torah verankerte Mystik um das INRY-Symbol, sowie Textstrukturen der Torah, die man wegen deren Fixierung durch das Symbol des Aufhängens am Pfahl verstehen muss. Mystik die seit spätpersischer Zeit in der Torah verankert ist, verweist auf einen Zeithorizont um 70 AD. Hierbei spielt der Name Jeschua eine Schlüsselrolle. Hierin liegt die zweite Wurzel aus welcher das Christentum zusammengesetzt ist.
c) Aus der Kombination beider Elemente kann ich praktisch ausschliessen, dass eine Figur mit Namen Jesus nach Weise des NT gekreuzigt wurde. Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass eine Tradition von Nazarenern vorliegt, welche spätestens ab 70 das Geschick einiger Führer sowie die Mystik zu einer Gesamtaussage verbanden. Dass ein Johannes, genannt der Täufer das Wort Jeschua predigte, gehört zu meinen derzeitigen Arbeitshypothesen. Beide Elemente sind in den Evanglelien noch stark vertreten und ungenügend retouschiert: Dass die bewegung ursprünglich zelotisch bestimmt war, und dass ein Johannes genannter Prediger durchaus die Autorität war. Aus irgend einem Grund (Verprlichtung gegenüber den nachfahren dieser Bewegung) mochte man diese Elemente selbt in einem römisch feindlichen Umfeld nicht ganz tilgen.
d) Die in diesem Artikel besprochene Frage, inwiefern Ikonographie und das Turiner Grabtuch die Technik der Kreuzigung beleuchten, muss daher verstanden werden als eine Frage, ob die Kreuzigung mehr als nur den Tod einer Figur, sondern den symbolischen Transport jüdischer Mystik bedeutet, da drei Nägel unmittelbar das seit der Offenbarung stigmatisierte Symbol der Figierung VVV (666) behandeln. Für eine Frage materieller Kreuzigung ist diese Frage schlicht irrelevant, da es keinen Standard der Kreuzigung gab. In Realität dürfte man in der Regel keine Nägel sondern Seile verwendet haben.
Diese Seite erhält durch einen Link in Wikipedia (der Link wurde ohne mein Wissen dort notiert) überproportional viele Zugriffe. Besuchern von Wikipedia möchte ich sagen, dass diese Seite höchstens Randgebiete zum Thema Kreuzigung im allgemeinen besprechen.
Wie wurde Jesus eigentlich gekreuzigt? Die Evangelien geben dazu alles andere als präzise Angaben. Über die Geiselung und Verspottung Jesu wissen sie viel genauer zu berichten. Dies kontrastiert merkwürdig mit der Tatsache, dass die Geiselung keine öffentliche Sachen war, die Kreuzigung aber schon.
Dennoch wissen die 14 Leidensstationen in den Kirchen sehr genau Bescheid. Mehr noch hat der Shroud-Man von Turin ein plastisches Bild vom Verständnis der Beschreibungen in den Passionen geliefert. Es ist bis heute nicht gelungen, den Shroud-Man überzeugend zu falsifizieren. Auch wenn der Shroud so etwas wie eine Reliquien Auferstehung der christlichen Kirche bedeutet, kostet dieser 'Beweis' der Authentizität der Beschreibungen der Passion doch einen Preis.
Der Shroud spricht Bände. Drei Nägel für Jesus, nicht vier, wie so lange von der Kirche gelehrt. Drei Nägel, links und rechts, und einen Nagel für beide Füsse (wird wohl nicht ganz einfach gewesen sein). Kein vierter Nagel ist zu finden. Nicht einmal auf der Stirn, wie es Spekulanten eines Mithraskults sonst erwarten würden. An Wunden mangelt es nicht. Der Shroud-Man erlebte ein elendes Leiden.
Wie kam die Kirche auf die Idee, dass Jesus mit vier Nägel am Kreuz fest gemacht war? Na, wenn wir es nicht wüssten, dann würden wir doch auch an vier denken. Es ist der natürlichste Gedanken. Die Passionen haben die Nägel nicht gezählt.
Es gab allerdings die Katharer, die Ketzer, die Katzenmenschen, Miau, die es besser wussten. Jesus war mit drei Nägeln gekreuzigt. über die Katharer kann soviel gefahrlos spekuliert werden:
Diese Katharer nun sagten, Jesus sei mit drei Nägeln gekreuzigt worden. Dies widerspricht nun aber auf den ersten Blick der infantilen Phantasie unserer unschuldigen Vorstellung. Hat der Mensch nicht vier.... Als der Shroud-Man sein Leiden preis gab, gab er den Katharern recht. Sofern der Shroud-Man ein mittelalterliches Artefakt wäre, wäre dies auch nicht sehr erstaunlich. Aber die Forschung deutet auf ein authentisches Alter hin. (C14 ist auch nicht das letzte Wort).
Da es in der Geschichte des Shrouds seit der Plünderung von Konstantinopel (1204) einen dunklen Zeitabschnitt über den Verbleib gibt (bis Lirey ca. 1350), wurde spekuliert, der Shroud sei in den Händen der Katharer Nobilität gewesen, und sei von den Adelsfamilien, die mit dem Albigenser-Kreuzzug beauftragt waren, 'erbeutet' worden.
Das Grabtuch als Reliquie, die die christianisierten Grals und Arthurlegenden hervorbringt...
Klingt nicht unwahrscheinlich bisher. (man frage mich nicht, wo jetzt der Shroud-Man in Wolframs Gral-Roman ist. Es gibt zwar Sindonisten, die im Grabtuch eine Art Tischtuch vom wichtigsten Supper der Weltgeschichte sehen möchten)
3) 1209-1229: The Cathars' Three-Nail Crucifixion. In the early thirteenth century, the Crucifixion was typically depicted with Christ affixed to the cross with four nails, one placed through each of his hands and feet.60 During the Albigensian Crusade, reports were circulated of a three-nail crucifixion, prompting Innocent to proclaim an official four-nail dogma and resulting in the condemnation, as heretics, of anyone who asserted the use of three nails.61 In an attempt to win converts, some Cathars employed a crucifix which had no upper arm, the feet of Christ crossed, and three nails.62 There is no apparent explanation of why Cathars, who rejected the reality of Christ's death,63 would assert a three-nail crucifixion or employ a three-nail crucifix, particularly when attempting to proselytize orthodox believers who were accustomed to, and who were bound to believe in, a four-nail portrayal. A close examination of the Shroud reveals that only one nail pierced Christ's feet64 and the Cathars' possession of the cloth with its evidence of the use of one nail through both feet would explain their assertion of a three-nail crucifixion which contradicted the traditional and papally-mandated beliefs of the orthodox.Jack Markwardt: 'Was The Shroud In Languedoc During The Missing Years?'
Copyright 1997 All Rights Reserved Reprinted by Permission
von mir aus: zu lesen bei http://www.shroud.com
Die ganze Darstellung einer Beziehung der Katharer zum wichtigsten Relikt eines inkarnierten Christus widerspricht radikal dem, warum die Katharer verfolgt wurden. Diese glaubten nämlich nicht an einen inkarnierten Christus, befolgten die Sakramente nicht inklusive Eucharistie und kannten höchstens das Brotbrechen als Symbol der wundersamen Verteilung des geistigen Wortes (Brotgleichnisse im NT), was alle auf einen nicht materiellen, sondern rein geistigen Christusglauben schliessen lässt, wie er typisch für viele gnostisch christliche Richtungen ist.
Der Bezug zum Brotbrechen ist so zu interpretieren, dass 'das Wort Gottes' verstehen, heisst, dessen Bedeutung mit allen Sinnen zu erfassen. Die Fleischwerdung des 'Wortes Gottes' ist die Erfassung der Bedeutung dieses Wortes mit allen Sinnen.
Das Wunder der Fleischwerdung hat mit dem 'Sinn' des Wortes zu tun. Der Streit um die Fleischwerdung ist die Frage, ob sie materiell einmal geschieht in Form einer materiellen Person (und damit ausgeschlossen ist für alle andere Menschen, die den Sinn des Wortes Gottes verstehen wollen) oder ob die Fleischwerdung des Sinnes des Wortes Gottes ein geistiger Akt im Allgemeinen, aber im Individuellen als ganzheitliche Erfahrung immer wieder geschieht. Die Katharer bildeten eine Gefahr für die Kirche, weil sie deren Monopolisierung ihrer einmal verfleischlichten Götze angriffen. Das Brotbrechen ist somit das Austeilen des Wortes. Das Leben Jesu ist erweiterte Sinneserfahrung zum aufschliessen der Bedeutung des 'Wortes Gottes' oder des Wortes das Gott ist. Das Verhalten der materiellen Kirche gleicht also den Gelehrten, die die Schlüssel zum Reich Gottes haben. Sie kommen nicht hinein, und die, die hinein wollen, lassen sie nicht hinein.
Drei Nägel für Jesus. Es ist bekannt, das die Katharer das AT, damit auch die Kabbala ablehnten. (Nesta Webster sagt konsequent das Gegenteil) Das Kerngebiet der Katharer Verfolgung bildet Südfrankreich. Im ganzen Pyrenäenraum finden wir starke Berührung und Nähe zum sefardischen Judentum, Zentren des Sefardischen Judentums beschränkten sich nicht nur auf Spanien (Toledo), sondern fanden sich um Langedoc und in der Provence ebenso. Wenn es einen Gegend gab, in der Kenntnisse der Kabbala, und seien sie nur die allgemeinsten, sich verbreiten konnten, und je nach dem angenommen oder abgelehnt werden konnten, dann war dies in diesem westlichen Hauptverbreitungsgebiet. Es ist das Wissen um die Kabbala, welche die drei Nägel für Jesus erläutert.
Die Hebräischen Buchstaben haben alle eine Symbol. So ist das Chet der Zaun, das He das Fenster, das Tav das Kreuz, das Beit das Haus. Die 6 steht für den Buchstaben Wav, und dieser hat die Bedeutung eines Hakens oder eines Nagels, mit dem man befestigt. Drei Nägel für Jesus heisst Wav Wav Wav, 666.
Jesus wurde durch die Kabbala gekreuzigt. Dies mag die Aussage gewesen sein, wie sie die Katharer gewiss geteilt hätten. Es ist also die Spekulation über eine Beziehung zwischen dem Shroud und den Katharern nicht notwendig. Wenn der Shroud im Languedoc aufbewahrt wurde, wie vorgeschlagen, dann zu allerletzt als Reliquie für Katharer. Es ist sowieso ein fraglicher modischer Kurzschluss zwischen den Katharern und den Templern, bzw. zwischen den Idealisten und den materiellen Fetischisten. Nicht jeder Südfranzose war ein Katharer. und ich vermag mir unter einem Katharer zuletzt einen christlichen Esoteriker vorstellen, der mit jeder Hostie buhlt, wie uns dies die christianisierten Gralsgeschichten weismachen. Die Gralsmystiker und Betreiber einer vereinfachten Weltmythologie machen es sich häufig zu einfach. Der Grund für den Mix liegt aber nicht ausschliesslich im Denken der heutigen Simpel, sondern könnte durchaus auch begründet werden durch das Schicksal der verfolgten Häretiker, die dazu neigen, sich gegenseitig zu schützen gegen den mächtigen Feind. Aber die Templer waren damals nicht verfolgt, und ihr Untergang stand erst an.
Akko fiel um 1291. Erst mit diesem Verlust der letzten Bastion in Palästina gab es eine Grundlage zur Auflösung des Ordens. Diese wurde dann mit der Bulle Vox in excelso durch Clemens V. 1312 legitimiert. Die Anschuldigungen gegenüber den Templern in den Prozessen sind in den Bereich der Verballhornungen zu stellen. Tatsächlich musste der Orden, der noch im 1139 unter den direkten Schutz des Papstes gestellt wurde, und dessen Privilegien kurz danach erheblich erweitert wurden, natürlich in Kontakt mit mohamedanischem denken kommen, das auf die Dauer nicht vereinbar mit der christlichen Dogmatik war. Aber die Beschuldigungen verdecken kaum die egoistischen Anliegen (der König war begierig auf die Reichtümer).
Die ganze Rolle der Templer nun ist nicht vereinbar mit dem Wesen der Katharer, die stets ein Ketzer Dasein in Verborgenheit führen mussten, anders als ein Templerorden, der sich die Krone Jerusalems aufstülpte. Es ist ja in der materiellen Behandlung des 'Sprosses Davids' schon eine andere Doktrin sichtbar als in der gnostischen Auslegung der Evangelien durch die Katharer. Wenn jemand von den Katharern geerbt hatte, dann waren es die Templer, und zwar das Motiv der grausam durch die Kirche verfolgten.
Ein letztes Wort zu den Katharern. Damit werden allgemein die ketzerischen Bewegungen insgesamt aufgefasst ohne Unterscheidung. Es ist nun wahr, dass im Süden Frankreichs eine intensive Berührung mit Juden und Kabbalisten sehr leicht möglich war. Auf diesem Umstand beruht die Annahme, die Katharer müssten Kabbalisten gewesen sein. Eine Berührung mit der Kabbala kann aber auch eine vollständige Ablehnung derselben hervorrufen, und muss dennoch zu denken geben in Bezug auf Glaubensdogmen des Christentums. Wahrscheinlich gab es in Südfrankreich auch christliche Kabbalisten.
Aber wir haben keine Grundlage, die ganze Bewegung insgesamt in die eine oder andere Ecke zu stossen. Selbst wenn wir den Tatbestand jüdischer Mysterien in Südfrankreich übersehen, bot der Zustand der katholischen Kirche, welche ja nichts anderes als eine hierarchische Mysterienreligion darstellte, genug Anlass für reformerische Bewegungen.
Zurück aber zu den drei praktisch Nägeln, die da der Shroud-Man präsentiert. Drei statt vier Nägel offenbaren ein sparsames Prinzip. Dadurch lassen sich mit weniger Eisen gleich viel Leiden erzeugen. Nur gibt es da einige Probleme. Wenn es um Tortur ginge, sind die Nägel auf Dauer nicht effizient, da aufgrund der Atemnot der Leidende ja immer an der Schwelle der Ohnmacht war. Unter dem Gedanken der Sparsamkeit hätten es Seile allein schon getan. Es bräuchte technisch gesehen gar keine Nägel.
Zweitens ist ein Stützbrett für die Füsse belegt. Wenn ein massiver Nagel eingeschlagen wird, braucht es kein Stützbrett. Wenn aber der Mensch mit Seilen an das Kreuz gebunden wird, dann schon.
Ist der Satz jemanden ans Kreuz nageln in Rücksicht auf die Bedeutung der Hebräischen Buchstaben, eine Anklage, gesprochen aus dem Geist gegen die exklusive Kabbala? Oder stellt der Begriff ein Zeugnis der Sonderbehandlung des Mannes Jesu dar (inklusive Shroud-Man)?
Zwei Beispiele für die symbolische Behandlung des Nagels im AT
Jes 22,20-25 An jenem Tage werde ich meinen Knecht Eljakim, den Sohn Hilkijas, berufen/ und ihn mit deinem Rock bekleiden und mit deinem Gürtel umgürten und deine Gewalt in seine Hand legen. Er wird ein Vater sein den Bürgern zu Jerusalem und dem Hause Juda./ Ich will ihm auch den Schlüssel des Hauses Davids auf die Schultern legen, daß wenn er auftut, niemand zuschließe, und wenn er zuschließt, niemand auftue./ Und ich will ihn als Nagel einschlagen an einem zuverlässigen Ort, und er soll ein Ehrenthron für das Haus seines Vaters werden,/ so daß die ganze Herrlichkeit seines Vaterhauses sich an ihn hängen wird, die Sprößlinge und die Abkömmlinge, alle kleinen Geräte, sowohl die Becken als auch die Schläuche./ Zu jener Zeit, spricht der HERR der Heerscharen, wird der Nagel, der an dem zuverlässigen Orte eingeschlagen war, nachgeben; ja, er wird abgehauen werden und fallen, und die Last, welche daran hängt, wird zugrunde gehen; denn der HERR hat es gesagt.Pred 12,8-14 O Eitelkeit der Eitelkeiten! spricht der Prediger; alles ist eitel!/ Und außerdem, daß der Prediger weise war, lehrte er das Volk Erkenntnis und erwog und erforschte und stellte viele Sprichwörter auf./ Der Prediger suchte gefällige Worte zu finden und die Worte der Wahrheit richtig aufzuzeichnen./ Die Worte der Weisen sind wie Treibstacheln und wie eingeschlagene Nägel die gesammelten Sprüche, von einem einzigen Hirten gegeben./ Und außerdem laß dich warnen, mein Sohn! Des vielen Büchermachens ist kein Ende, und viel Studieren ermüdet den Leib./ Laßt uns die Summe aller Lehre hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das soll jeder Mensch!/ Denn Gott wird jedes Werk ins Gericht bringen, samt allem Verborgenen, es sei gut oder böse.
Die Worte der Weisen sind treffsicher. Aber die Nägel sind von einem Hiren gegeben. Meiner Ansicht nach ist mit diesem Hirten Moses gemeint. Wie man die Schrift mit Nägeln in der Horizontalen und Vertikalen fixiert, lesen sie im Kommentar zum Bibelcode.
Joh 20,24-28 Thomas aber, einer von den Zwölfen, der Zwilling genannt wird, war nicht bei ihnen, als Jesus kam./ Da sagten ihm die andern Jünger: Wir haben den Herrn gesehen! Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht an seinen Händen das Nägelmal sehe und lege meinen Finger in das Nägelmal und lege meine Hand in seine Seite, so glaube ich es nicht!/ Und nach acht Tagen waren seine Jünger wiederum dort und Thomas bei ihnen. Da kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch!/ Dann spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!/ Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!
Thomas symbolisch gelesen. Die Masoreten suchten nach den Nägeln in de Schrift, sie suchten nach dem fixierten Wort Gottes. Jesus als das Wort Gottes wird hier nun in Analogie nach den Zeugnissen der Erkenntnis gefragt. Kann ich den richtigen Jesus erkennen anhand der Nägel, ebenso fragten die Rabbiner nach der richtigen Textordnung, dem richtigen Schrifttyp, in dem sie nach den Nägeln in der Schrift forschten.
Wir wissen, wenn es die Hände gewesen wäre, dann hätte er nur mit Seilen unterstützt länger gehalten. Der Shroud-Man ist der Meinung, dass ihm die Nägel oberhalb der Handwurzel durchgeschlagen wurden. Der Auferstandene musste dann immerhin seinen Gewandärmel etwas zurückschieben. Die Römer musste sogar erst erfahren, dass sie die Nägel durch die Gelenke schlagen mussten, sollten sie das Gewicht tragen. Trial by Error ist hier am Werk. Wir dürfen wohl annehmen, dass sie zur Zeit Jesu Klarheit über das Verfahren hatten. Die Hände gehen insofern in Ordnung, als wir selbst den Bereich der Handgelenke durchaus noch als Hand bezeichnen würden. Von 'Sieh meine Handflächen' ist im Text nicht die Rede.
Aber offensichtlich war das mit den Nägel schon damals nicht so selbstverständlich.
Kol 2,13-15 Auch euch, die ihr tot waret durch die Übertretungen und den unbeschnittenen Zustand eures Fleisches, hat er mit ihm lebendig gemacht, da er euch alle Übertretungen vergab,/ dadurch, daß er die gegen uns bestehende Schuldschrift, welche durch Satzungen uns entgegen war, auslöschte und sie aus der Mitte tat, indem er sie ans Kreuz heftete./ Als er so die Herrschaften und Gewalten auszog, stellte er sie öffentlich an den Pranger und triumphierte über sie an demselben.
Paulus im Kolosser spricht von der ans Kreuz gehefteten Schuldschrift. Abgesehen vom leidenden Jesu war da noch das Schild INRI ans Kreuz geheftet. Dies nun passt gar nicht zur offiziellen Kreuzigungspraxis, und gehört in den Bereich evangelisierender Aussagen.
Joh 20,29 Jesus spricht zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, so glaubst du; selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
Erstaunlich. Das NT spricht immer von kreuzigen, ohne einen Kommentar, wie genau dies praktiziert wurde. Das lässt nur eine Erklärung zu, es war selbstverständlich. Ja aber wie selbstverständlich?
Geht es hier bei Thomas um die Frage nach den Nägeln, oder um die Wunden zwecks Identifikation, weil er den Auferstandenen nicht erkennt? Oder glaubte Thomas gar nicht an die Kreuzigung? Glaubte er, was viele Zweifler glaubten Jesu sei gar nicht gekreuzigt worden (dafür ein Stellvertreter). Auch davon spricht der Text nicht. Denn Thomas weiss, dass der Herr gekreuzigt wurde, aber er will die Male als Beweis. Thomas hat ein Identifikationsproblem. Er will nicht jedem daher gelaufenen Herrn glauben. Thomas der Zweifler, unter ihm wird häufig ein Grieche verstanden, was aber nicht zwingend ist.
Als ich bei shroud.com auf der Seite Exposition das Bild eines Reliefs sah, musste ich stutzen. Dieses Relief wurde angefertigt, um Blinde den Shroud ''sehen'' zu lassen. Ich verstehe, dass Blinde sich Internetseiten vorlesen lassen, dass sie auch Anspruch auf alternative Medien haben. In symbolischer Hinsicht aber stellt es die Quintessenz um den Shroud in seinem Anspruch an die "nicht Blinden" dar. Man besuche Shroud.com und lasse sich dieses Feeling nicht entgehen. (aus ©-Gründen kann hier nur eine Schlüsselloch Ansicht gezeigt werden)
Warum wird hier nicht Klartext gesprochen? Warum genügt der biblische Bericht nicht, uns das Bild der 14 Passionsstationen in den katholischen Kirchen zu bestätigen?
Die Kirche kann mit einer Reliquie leben, ob sie jetzt drei oder vier Nägel aufweist. Aber die Kirche baut auf der Apologetik des AT auf. Eine Kirche, die Tyndale ermorden liess, will uns heute weissmachen, wir seien alle Thomas, die die Wunden sehen wollen. Ja noch mehr.
Joh 20,29 Jesus spricht zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, so glaubst du; selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
Zu den Leidenstationen in den Kirchen wäre folgendes zu sagen.
Es muss nicht immer Rennes-le-Chateau sein. Es lohnte sich, sich die Bilder
genauer anzusehen. Erfahrungsgemäss gibt es in den Gemälden mancherorts
genug häretische Stoff.
Zu Thomas, den man Didymos nennt (Zwilling nennt). Eine jüdische Neuübersetzung nennt ihn Teoma, mit der Erklärung, dies sei eine aramäische Namensform. Ich aber haben gefunden:
Strong-Daten
2930 tame' (taw-may') : --defile (self), pollute (self).
2931 tame' (taw-may') : --defiled, + infamous, polluted(-tion), unclean.
2932 tum'ah (toom-aw') : --filthiness, unclean(-ness).
2933 tamah (taw-maw') : --be defiled, be reputed vile.
2934 taman (taw-man') : --hide, lay privily, in secret.
Die Ähnlichkeit zu einer in jüdischen Ohren nicht sehr schmeichelhaften Bezeichnung erklärt, warum der Name Thomas bei Johannes erklärt wurde (vielleicht ist es den anderen Evangelisten gar nicht aufgefallen). Mehrmals wird erklärt, Didymos sei die wörtliche Übersetzung des Namens Teoma. Ich kann dies nicht nachvollziehen, nicht in einem unwidersprochenen Sinne.
Thomas der Zwilling ist durch seinen zweifelhaften Namen populär geworden, nicht nur unter den Theologen, denen der Zweifel das tägliche Brot ist. Auch Apokryphen haben diese Namensbindung aufgegriffen. Jedoch belegen sie keinesfalls die Originalität dieser Bedeutung. Wir lesen es als Feature bei Johannes, der uns um Thomas eine eigene Geschichte erzählt. Für die Gnosis mag die Paarung von Zwilling und Zweifel ihren besonderen Reiz gehabt haben. Es wurde sogar soweit spekuliert, in Johannes den Zwillingsbruder Judas Thomas des Herrn Jesus zu erkennen. Dass der Bruder dann am Auferstandenen zweifelt (weil er ihn nicht erkennt) ist dann schon die Vorbereitung zu Gedanke, Jesu sei überhaupt nicht am Kreuz gestorben. Soviel zu den Spekulationen.
Warum hat Thomas bei Johannes einen anderen Stellenwert?
Joh 14:5 Thomas saith unto him, Lord, we know not whither thou goest; and how can we know the way? 6 Jesus saith unto him, I am the way, the truth, and the life: no man cometh unto the Father, but by me. 7 If ye had known me, ye should have known my Father also: and from henceforth ye know him, and have seen him. 8 Philip saith unto him, Lord, shew us the Father, and it sufficeth us. 9 Jesus saith unto him, Have I been so long time with you, and yet hast thou not known me, Philip? he that hath seen me hath seen the Father; and how sayest thou then, Shew us the Father? 10 Believest thou not that I am in the Father, and the Father in me? the words that I speak unto you I speak not of myself: but the Father that dwelleth in me, he doeth the works. 11 Believe me that I am in the Father, and the Father in me: or else believe me for the very works' sake. 12 Verily, verily, I say unto you, He that believeth on me, the works that I do shall he do also; and greater works than these shall he do; because I go unto my Father. 13 And whatsoever ye shall ask in my name, that will I do, that the Father may be glorified in the Son. 14 If ye shall ask any thing in my name, I will do it.
Das merkwürdige ist, dass Thomas der Anlass für den berühmten Satz ist, aber Philipus dann der Zweifler und Blinde ist. Er sieht den Vater nicht, was auch verständlich ist. Denn Jesus transzendierender Gott, der durch das Leben und die Lebenden sichtbar ist, ist nicht identisch mit dem Schriftgott YHVH. Jesus betont das Privileg, dass die Jünger Jesus sehen. Dieses Thema des unmittelbaren, das zwar dogmatisch nicht bestimmt ist, aber eben unmittelbar, wird bei Johannes dann weiter verarbeitet. Wie ist es mit denen, die nicht Zeugen waren? Kann man Glauben, oder braucht man Beweise, Reliquien?
Wie ist es aber mit Thomas. Jesus sagt, würdest du mich kennen, so solltest du meinen Vater kennen. War Thomas kein Jude? Aber Philip sprengt sogleich diesen Verdacht. Denn Jesus spricht wirklich vom kennenlernen, nicht der Worte, sondern ihrer Bedeutung. Die Art und Weise, wie hier Jesus bei seinen Jüngern auf taube Ohren stösst, liegt in einer anderen Erwartung.
Um das Thema der Auferstehung bei Johannes zu verstehen, muss man eine andere Stelle betrachten.
Joh 11,14-17 Da sagte es ihnen Jesus frei heraus: Lazarus ist gestorben; / und ich bin froh um euretwillen, daß ich nicht dort gewesen bin, damit ihr glaubet. Aber lasset uns zu ihm gehen!/ Da sprach Thomas, der Zwilling genannt wird, zu den Mitjüngern: Lasset uns auch hingehen, daß wir mit ihm sterben!/ Als nun Jesus hinkam, fand er ihn schon vier Tage im Grabe liegend.
Scrivener 1894 erklärt die Stelle durch die Feindlichkeit gegen Jesu. das ist blanker Unsinn. Lazarus ist gestorben, und Thomas sagt, lasst uns Sterben wie Lazarus, damit wir glauben. Dann der Passage geht ein etwas seltsame Ansprache voran, die wörtlich/sinnbildlich Thomas verwirrt. es ist der Wechsel der Ebenen, hier geistlich, da materiell, das hier zum Thema steht.
Joh 11,7-14 Dann erst spricht er zu den Jüngern: Laßt uns wieder nach Judäa ziehen!/ Die Jünger sprechen zu ihm: Rabbi, eben noch haben dich die Juden zu steinigen gesucht, und du begibst dich wieder dorthin?/ Jesus antwortete: Hat der Tag nicht zwölf Stunden? Wenn jemand bei Tage wandelt, so stößt er nicht an, denn er sieht das Licht dieser Welt./ Wenn aber jemand bei Nacht wandelt, so stößt er an, weil das Licht nicht in ihm ist./ Solches sprach er, und darnach sagte er zu ihnen: Unser Freund Lazarus ist entschlafen; aber ich gehe hin, um ihn aus dem Schlafe zu erwecken./ Da sprachen seine Jünger: Herr, ist er entschlafen, so wird er genesen!/ Jesus aber hatte von seinem Tode geredet; sie meinten aber, er rede von dem natürlichen Schlaf./ Da sagte es ihnen Jesus frei heraus: Lazarus ist gestorben;
Natürlich kann man Thomas Satz sarkastisch verstehen (das heisst im Sinne der Bibel unnötig). Dabei wird aber überhört, wovon die Rede ist, vom Wandeln am Tag, vom Sehen. Hat der Tag nicht zwölf Stunden. Hatte das Licht der Welt nicht zwölf Jünger? Hier ist ein tieferer Zweifel. das Sehen verstehen und nicht verstehen, das generell alle Jünger im Wort betrifft, wird hier mit der Figur des Thomas, an dem der Gedanke sichtbar gemacht wird, gezeigt.
Johannes schreibt um Thomas ein ganzes Thema. Er greift diesen Faden wieder auf. Thomas wird hier Zeuge der Auferstehung eines anderen. Er hat gelernt, mit Augen zu sehen. Er will auch danach mit Augen sehen. Aber es geht hier nicht nur um das materielle Sehen. Denn so gedeutet ist die Thomasszene so flach, wie zuvor sein Einwurf beim Aufbruch zu Lazarus Grab(?). Für dieses andere sehen müssen die Wunden Jesu verstanden werden. Man muss geistlich begreifen, was sie als Gleichnis darstellen gegenüber der Kreuzigung des Wortes Gottes.
Wenn ich nun zur Frage zurückspringe, wie es um die Nägel steht, so bemerken wir, dass gerade Thomas am allerwenigsten eine Grundlage bietet, die Nägel materiell zu nehmen. EL CAPPUCCINO ist hier entschieden der Meinung, dass es hier um eine Erkenntnismoment geht. Thomas, der Zweifler fragt, ist der Herr noch der selbe Herr, nach dem er die erschütternde Erfahrung der Kreuzigung durch Wav Wav Wav erleben musste? Kann nach der Zerstörung des Glaubens der Glaube an den einen Gott auferstehen? Die Tiefe diese Frage leuchtet nur dem auf, der weiss, was Wav, wav wav ist. Damit drückt sich nicht im Wort Thomas das aus, was die Strongnummern liefern, sondern das, was das Wort Zwilling überliefert. Wie soll ich es sagen. Wer wird es aushalten, die Wundmale zu betrachten, und seinen Glauben nicht verlieren?
Was Zerrüttung des Glaubens meint, können die weiter unten
angeführten Anspielungen nur annähernd verdeutlichen. Die Zerrüttung
des Glaubens kann aus der Auseinandersetzung mit der Schrift kommen. Es
ist leider nur in den evangelikalen Traktaten so, dass die grössten
Zweifler durch Auseinandersetzung mit der Schrift, die sie widerlegen wollten,
zum Glauben an den Gott der Torah kam. Die anderen Beispiele werden in anderen
Literaturklassen vertrieben.
1968 wurde ein Ossuar geöffnet, das die Überreste eines Gekreuzigten enthielt. Gemäss dem Ossuar sei der Gekreuzigte hier Jochanan genannt. Es zeigt eine andere Variante, wie man beide Beine mit einem Nagel am Pfosten fixieren kann. Die Zeichnung zeigt eine fiktive Rekonstruktion, wie ein Mensch solcher Art gekreuzigt werden konnte.
Bildausschnitt aus: Willibald Bösen,
"Der letzte Tag des Jesus von Nazaret. Was wirklich geschah"
(Freiburg 1994, S. 278)
Wir sehen hier eine leichte Variante zum Shroud-Man. Auf diese Weise wurden bisher noch keine Altarbilder gemalt. Immerhin: drei Nägel. Hatten also die Katharer doch das Grabtuch Christi gesehen? Auf dem Grabtuch ist überhaupt nichts mit Augen, oder anderen natürlichen Mittel zu erkennen, was auf die Zahl der Nägel schliessen lässt. Unser Wissen über die Prozedur der Kreuzigung des Shroud-Man entstammt überaus technischen Analyseverfahren. Wenn der Shroud Auskunft über die Zahl der Nägel gegeben hätte, dann wäre die Lehre von den vier Nägeln gar nie aufgekommen.
Wie gesagt entsprechen bei einem herkömmlichen Balken drei Nägel einer rationellen Praxis. Jochanan bestätigt uns dies. Vier Nägel kommen somit nur in Frage, wenn man sich ein Andreas-Kreuz (X-Kreuz) vorstellt. Ich denke, das vier Nägel Dogma hat einige Implikationen, und muss sich erklären.
Der Begriff der Kreuzigung umfasst kein einheitliches Verfahren. Crux (lat) und stavros (griech) bezeichnen nicht ein Kreuz, sondern den Balken, an dem jemand aufgehängt wurde. Das Hängen meint also das Hängen an den Pfahl, nicht an das Kreuz. Der Begriff des Hängen hat auch im AT eine Bedeutung, nicht aber als Todesstrafe, sondern als zur Schau Stellung des Übeltäters. Dies widerfuhr vor allem den Verführern.
Das zur Schau Stellen ist ein nicht unwesentlicher Aspekt, alter Abschreckungsgerichtsbarkeit. Im Fall der Kreuzigung im römischen Stil muss aber das Leiden, die Tortur unbedingt als Bestandteil betrachtet werden. Im Falle Roms muss die Kreuzigung aber gesondert betrachtet werden. Kreuzigung war eine Strafe, welche die Sklaven, aber zunehmend auch die niederen römischen Bürger betreffen konnte. Unter dem Aspekt des Klassenunterschieds gab es damit nicht nur die Abschreckung, sondern das scheussliche Vergnügen der mehr Besseren, welche den Volksfest Charakter befördert.
Es war also nicht ganz das Gleiche, ob die Anhänger des Spartacus Aufstandes entlang der Via Appia aufgehängt wurde, oder ob Titus vom Kreuz während seiner Belagerung Jerusalem als Teil der psychologischen Kriegführung Gebrauch machte. Der Aspekt des Volksfestes wurde von Cicero attackiert. Konstantin, der Sieger unter dem Zeichen des Kreuzes, liess die Kreuzigung durch den fortan bei uns bekannten Galgen ersetzen, mit der Folge, dass wir den Begriff 'Aufhängen' zunächst fälschlich mit dem Galgen, dem schnellen Tod, assoziieren.
Ein Detail am Rande. Jochanan (oben) wurden beide Schienbeine und das Wadenbein gebrochen. Dies belegt die Praxis bei der Kreuzigung, als Mittel, den Tod zu beschleunigen. Es ging also bei der angewandten Kreuzigung im Palästina nicht darum, die Menschen am Kreuz hängen zu lassen, bis die Vögel sie frassen. Sondern es belegt zumindest den Respekt gegenüber dem jüdischen (oder orientalischen?) Rechtsverständnis, eine Menschen bei Anbruch des Abends zu begraben, unabhängig davon, ob Sabbat oder Feiertag oder ein gewöhnlicher Wochentag ansteht. Ob in jedem Falle aber Respekt im Vordergrund stand, oder ob nicht eine Rationalisierung des Todes (es gab viel zu kreuzigen) nicht eine Beschleunigung des Todes an einem gewissen Punkt verlangte, bleibt offen. Ein Gekreuzigter im Dunkel der Nacht bot ohnehin wenig abschreckende Wirkung. Es ist also nicht leicht zu sagen, welche Faktoren ein Verfahren allein bestimmen.
Beispiele aus dem AT
1Mo 40,19 in drei Tagen wird der Pharao dich hinrichten und ans Holz hängen lassen, daß die Vögel dein Fleisch fressen werden.
1Mo 40,22 aber den obersten Bäcker ließ er hängen - wie Joseph ihnen gedeutet hatte.
1Mo 41,13 Und so wie er es uns auslegte, so ist es gekommen; mich hat man wieder in mein Amt eingesetzt, und ihn hat man gehängt.
So deutet Josef die Träume seiner zwei Mitgefangenen (Parallele zu den zwei Räubern während der Kreuzigung Jesu?). Hier mag uns der gefesselte Prometheus einfallen. Es ist also der Aspekt einer dauernden entwürdigenden Strafe gemeint. Es wird ihm nicht einmal ein Grab zufallen.
4Mo 25,3-9 Und Israel hängte sich an Baal-Peor. Da ergrimmte der Zorn des HERRN über Israel./ Und der HERR sprach zu Mose: Nimm alle Obersten des Volks und hänge sie dem HERRN auf angesichts der Sonne, daß der grimmige Zorn des HERRN von Israel abgewandt werde!/ Und Mose sprach zu den Richtern Israels: Jedermann töte seine Leute, die sich an Baal-Peor gehängt haben!/ Und siehe, ein Mann aus den Kindern Israel kam und brachte eine Midianitin zu seinen Brüdern vor den Augen Moses und der ganzen Gemeinde der Kinder Israel, während sie weinten vor der Tür der Stiftshütte./ Als Pinehas, der Sohn Eleasars, des Sohnes Aarons, des Priesters, solches sah, stand er auf inmitten der Gemeinde und nahm einen Speer in seine Hand/ und ging dem israelitischen Mann nach, hinein in das Gemach, und durchstach sie beide, den israelitischen Mann und das Weib, durch den Bauch. Da hörte die Plage auf von den Kindern Israel./ Und derer, die an dieser Plage starben, waren vierundzwanzigtausend.
Es ist bemerkenswert, wie hier im Zusammenhang mit dem Aufhängen der Spiess des Pinehas auftaucht, mit dem er die zwei durchbohrt. Es ist noch sonderbarer, wenn man auf die 'Ehebett' Mystik eines Thomas-Evangeliums schaut.
Vielleicht schliesst sich hier ein Bogen zur kürzlich viel diskutierten apokryphen Ergänzung zum Markus-Evangelium wobei es um eine intime Begegnung von Jesu und dem auferweckten Lazarus geht.
weitere Beispiele aus dem AT
5Mo 21,20-23 und sollen zu den Ältesten der Stadt sagen: Dieser unser Sohn ist störrisch und widerspenstig und gehorcht unserer Stimme nicht, er ist ein Schlemmer und ein Säufer./ Dann sollen ihn alle Leute jener Stadt steinigen, daß er sterbe. Also sollst du das Böse aus deiner Mitte wegschaffen, daß ganz Israel es höre und sich fürchte./ Hat jemand eine Sünde an sich, die ein Todesurteil nach sich zieht, und er wird getötet und an ein Holz gehängt,/ so soll sein Leichnam nicht über Nacht an dem Holze bleiben, sondern du sollst ihn an demselben Tage begraben. Denn ein Gehängter ist von Gott verflucht, und du sollst dein Land nicht verunreinigen, das der HERR, dein Gott, dir zum Erbe gibt.
Die Meinung ist nicht, dass er getötet wird, indem er an ein Holz gehängt wird, sondern das nachträgliche Aufhängen hat hier den Sinn einer zusätzlichen Demonstration des Fluches über den Verurteilten. Eine 'jüdische' Hinrichtung hätte also nur den Leichnam zur Schau stellen dürfen, aber nicht, damit die Vögel sein Fleisch fressen.
Stephanus wurde gesteinigt, aber nicht aufgehängt. Die Obersten Israels sind verflucht von Gott, aber ihr Tod wird nicht durch Aufhängen verursacht, sondern entspricht eher der Tat des Pinehas, dem Morden, nicht der Tortur. Aufhängen hat also im Kontext des AT eine andere Bedeutung. Es hat nicht die Funktion einer Marter, sondern es dient als Zeugnis eines verhängten Fluches Gottes über den bereits Hingerichteten. Gott hatte über Ai den Bann, den Fluch gesprochen. Joschua verfährt entsprechend Mose Gebot.
Jos 8,28-29 Und Josua äscherte Ai ein und machte einen ewigen Schutthügel daraus, eine Ruine, die noch heute dort ist./ Und er ließ den König zu Ai an einen Baum hängen bis an den Abend. Als aber die Sonne untergegangen war, gebot Josua, daß man seinen Leichnam vom Baume herabnehme; da warfen sie ihn unter das Tor der Stadt und errichteten über ihm einen großen Steinhaufen, der noch daselbst ist bis auf diesen Tag.
Jos 10,26-27 Darnach schlug sie Josua und tötete sie und hängte sie an fünf Bäume. Und sie hingen an den Bäumen bis zum Abend./ Als aber die Sonne unterging, gebot Josua, daß man sie von den Bäumen nehme und sie in die Höhle werfe, darin sie sich verkrochen hatten; und sie legten große Steine vor den Eingang der Höhle; die sind noch daselbst bis auf den heutigen Tag.
Dass im Zusammenhang mit dem Hängen auch Rätsel auftauchen können, wird am Beispiel von Absaloms Geschick deutlich.
2Sam 18,9-12 Absalom aber geriet von ungefähr unter die Augen der Knechte Davids. Absalom ritt nämlich auf dem Maultier. Als nun das Maultier unter die dichten Zweige einer grossen Eiche kam, da blieb er mit dem Kopf in der Eiche hängen, so dass er zwischen Himmel und Erde schwebte, denn das Maultier lief unter ihm weg./ Das sah ein Mann; der zeigte es Joab an und sprach: Siehe, ich sah Absalom an der Eiche hängen!/ Da sprach Joab zu dem Manne, der ihm solches anzeigte: Siehe doch, wenn du das sahest, warum schlugst du ihn nicht auf der Stelle zu Boden? So könnte ich dir jetzt zehn Silberlinge und einen Gürtel geben!/ Der Mann aber sprach zu Joab: Und wenn du tausend Silberlinge in meine Hand gewogen hättest, so wollte ich dennoch meine Hand nicht an des Königs Sohn gelegt haben; denn der König hat dir und Abisai und Ittai vor unsern Ohren geboten und gesagt: Gebt acht, wer es auch sei, auf den Jüngling Absalom!
Es treten zwei Aussagen gegeneinander an. Zuerst das Gebot Davids, man möge seinen Sohn doch verschonen, dann aber ein im Bild doch ausgedrückter Bann Gottes über Absalom. Der Lohn, der Joab hier verspricht, wird doch seltsam. Sollte er für jeden ermordeten Anhänger Absaloms eine Prämie versprechen? Er wusste ja nicht, dass es Absalom war. Die Rede von den Tausend Silberlingen steht auch im Kontext zum Dekalog, und zu Abimelech, der Abram 1000 Silberlinge gab als Decke. Der Gürtel (ich bin hier vorsichtig) mag an Jeremias verdorbenen Gürtel im Sinne des Bundes dienen, steht also auch im Bezug zu den Geboten und zum Dekalog. Es ist nicht zu überhören, dass Absaloms Geschick, verhängt zwischen Himmel und Erde eben das Hängen weniger im Sinn des Mordens als der Frage nach dem Bann, dem Gottesurteil als Zeichen darstellt.
Lesenswert in diesem Zusammenhang ist auch 2.Sam21.2-14
Auch wird das Symbol im Erlass des Darius für Ezras Theokratie legitimistisch verwendet.
Esr 6,9-14 Und wenn sie junge Stiere oder Widder oder Lämmer bedürfen zu Brandopfern für den Gott des Himmels, oder Weizen, Salz, Wein und Öl nach Angabe der Priester zu Jerusalem, so soll man ihnen täglich die Gebühr geben, ohne Verzug;/ damit sie dem Gott des Himmels Opfer lieblichen Geruchs darbringen und für das Leben des Königs und seiner Kinder beten./ Es ist auch von mir Befehl gegeben worden, daß, wenn irgend ein Mensch dieses Gebot übertritt, man von seinem Hause einen Balken nehmen und aufrichten und ihn daran hängen soll; und sein Haus soll deswegen zu einem Misthaufen gemacht werden./ Der Gott aber, dessen Name alldort wohnt, stürze alle Könige und Völker, welche ihre Hand ausstrecken, dieses Haus Gottes in Jerusalem zu ändern oder zu zerstören! Ich, Darius, habe solches befohlen; es soll genau ausgeführt werden.»/ Da befolgten Tatnai, der Landpfleger jenseits des Stromes, und Setar-Bosnai und ihre Genossen genau [den Befehl], welchen der König Darius gesandt hatte./
Und die Ältesten der Juden bauten weiter, und es gelang ihnen durch die Weissagung der Propheten Haggai und Sacharja, des Sohnes Iddos. Also bauten sie und vollendeten es nach dem Befehl des Gottes Israels und nach dem Befehl des Kores und Darius und Artasastas, der Könige von Persien.
Wir haben also den Kreuzweg rückwärts begangen, hin zum jüdischen Verständnis des aussagekräftigen Symbols. Es ist somit sehr verständlich, dass die Bilder vom Kreuz, speziell mit dem dargestellten Jesus eigentlich eine seltsame Aussage erhalten muss. Wenn die Kreuzigung Christi für den Christen den absoluten Wendepunkt hin zur Wandlung bedeutet, so bezeugt das Bild allein das Urteil vom Fluch Gottes. Was ist ein Fluch? Ist ein Fluch nicht ein definitives Urteil aus dem Mund Gottes?
Der Galgen(?) 50 Ellen hoch, taucht auch im Buch Ester vor, als Ratschlag von Hamans Frau, Mordechai hängen zu lassen Es ist bekannt, dass Haman und dessen Söhnen dann das Geschick ereilte. Der Galgen ist dort Symbol eines Gottesurteils, seltsamer Weise in einem Buch, in dem das Wort Gottes nicht einmal vorkommt, dafür um so mehr Intrige, Verleumdung und falsche Namen (Mordechai = Marduk, Ester = Ischtar). Der Galgen steht darin bereits als verarbeitetes Symbol, sagt also wenig aus über historische, geschichtliche Handhabe der Strafe im Judentum oder im Orient im allgemeinen.
Kol 2,13-15 Auch euch, die ihr tot waret durch die Übertretungen und den unbeschnittenen Zustand eures Fleisches, hat er mit ihm lebendig gemacht, da er euch alle Übertretungen vergab,/ dadurch, daß er die gegen uns bestehende Schuldschrift, welche durch Satzungen uns entgegen war, auslöschte und sie aus der Mitte tat, indem er sie ans Kreuz (stauro) heftete./ Als er so die Herrschaften und Gewalten auszog, stellte er sie öffentlich an den Pranger und triumphierte über sie an demselben.
Kolosser wird aus diesem Verständnis heraus verstanden. Die Schuldschrift selbst ist dem Fluch Gottes verfallen. Alle Apologetik, welche Jesus aus den Satzungen 'beweisen' will, ist mit ihm selbst an den Pfahl geheftet, den Pfahl hier echt jüdisch verstanden. Paulus spricht von euch/uns. Er sagt 'unsere Satzung' aus unserer Mitte. Er bleibt ganz nah an der Sprache des Pentateuch.
KJV nennt 'handwriting', Revised nennt 'Bond', ist also in der Aussage entschiedener, wenn auch nicht näher am griechischen Text.
Aber etwas gilt es noch zu betrachten. Eine 'Schrift auslöschen' ist nicht neu, spezifisch eine Schuldschrift, eine Anklageschrift. Hier aber wird sie ans Kreuz genagelt, und dies hat doch einen etwas anderen Kontext. Damit wird die Schrift, die es auszulöschen gilt, zuerst einmal zum sichtbaren Zeichen gemacht. Er stellt sie an den Pranger.
Der letzte Satz im Abschnitt ist also ein Kommentar zum Widerspruch zwischen 'Auslöschen'-'Kreuz', ganz folgerichtig.
Das 'er' ist nicht ganz deutlich. Da Kolosser von der Beschneidung durch Christus spricht, und der Vergebung der Sünden jenen, die nicht im Fleisch beschnitten waren, kann 'er' sich auf Christus oder Gott beziehen.
Was heisst also unser letzter Satz? Welches sind die Herrschaften, die er an den Pranger stellte?
Paulus spricht von der Schuldschrift. Das Judentum ist für ihn keinen Gemeinschaft von fleischlich beschnittenen. Dazu ist die Beschneidung zu verbreitet. Judentum meint wörtliche Verpflichtung auf das Gesetz. Und wir müssen hier etwas nachsichtig sein, wenn der metaphysische Sprachgebrauch damals ein anderer war. Fleischlich dürfen wir durchaus als materiell bezeichnen. Was ist eine materielle Beschneidung? eine solche ist zum Beispiel ein Geburtsregister. Mit materiellem Wortgehorsam errichtet man Weltreiche, Herrschaften, Gewalten. Diese wurden ausgezogen und an den Pranger gestellt. Ein typisches Beispiel für materiellen Wortgehorsam ist die Kabbala, mit ihren verschiedenen Zählverfahren. Was ist die Bedeutung des 'Wortes Gottes'? Die Kabbala zählt das Fleisch des Wortes,
also den materiellen Wert des Wortes 'JHWH' (10565).
Es wurde also der materielle Glauben an den Pranger gestellt. Wenn man sagt, dass Jesus mit drei Nägeln gekreuzigt ward, und dies als Wav Wav Wav auch unter anderem die Kabbala bedeutet, so sagt hier Paulus, dass dies erst an den Pranger gestellt wird, damit es sichtbar wird. Der materielle Wert des Wortes Gottes führt auch zur Kreuzigung Abrahams. Abrahams Alter war 175 Jahre. Das steht im 666. Vers der Torah !!!
Damit haben wir aber eine weitere Möglichkeit gewonnen, dass das Kreuz eben nicht als Sinnbild römischer Hinrichtungspraxis betrachtet werden muss, sondern in diesem 'an den Pranger stellen' betrachtet werden darf. Am Kreuz, am Pranger haftet die Lastschrift, der Fluch Gottes, die Torah. Sie, die Torah wird aus der Mitte Israels genommen.
Gott hat Christ bereits von den Toten auferstehen lassen, als Paulus von der Schrift, die ans Holz geheftet wird, spricht. Die Auferstehung stellt die Schrift an den Pranger. Paulus spricht hier nicht von der Kreuzigung Jesu. Er spricht von dem, was durch Jesu an den Pranger gestellt wurde, damit es sichtbar (geistig verständlich) bleibt.
Die bisherige Arbeit eröffnet uns zwei Interpretationswege. Was ist das Kreuz? Ist es ein Bekenntnis zum von den Römern gekreuzigten Verkünder des Wortes, oder ist es Ausdruck des von der Gemeinschaft ausgesonderten, unter den Bann Gottes gestellten? Ist es im Sinne des ersteren der Tod, oder im Sinne des letzteren Martyrion als Zeugnis? Solange wir die Geschichte der verfolgten Kirche betrachten, erscheint der Unterschied kaum erheblich. Wie aber ist es unter dem Zeichen der siegreichen Kirche? Oh oh oh.
Jesus war der Messias. Ob königlich oder priesterlich sein mal dahingestellt. Er kam einen schönen guten Tag sagen, in der Synagoge seiner Heimat und wurde fast umgebracht, weil er vergass, bei der Lesung, des Jesaja Worte... und einen Tag der Rache.... anzufügen.
Vergegenwärtigen wir uns einmal Jesus am Kreuz, mit den drei Nägeln, und vergegenwärtigen wir einen anderen Messias, den Aaron, der auch sein Schildlein auf dem Kopf hat, sein eigenes INRI. es folgt ein Ausschnitt aus dem Baum der erkenntnis. Er stellt die Mitte dar des Penateuch in Versen, und er stellt die zweimalige Sabbatformel dar, Ruhen und Befreiung.
| # | BDE-A | BDE-B | BDE-C | BDE-D | BDE-E |
|---|---|---|---|---|---|
| ToK=4583 | T=33 B=33 1Mo 2,2 3729 - 3728 BC [L1545] 2. Und also vollendete GOtt am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhete am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er machte; | T=1579 B=46 2Mo 2,24 2183 - 2182 BC [L1545] 24. Und GOtt erhörete ihr Wehklagen und gedachte an seinen Bund mit Abraham, Isaak und Jakob. | T=2923 B=180 3Mo 8,8 839 - 838 BC [L1545] 8. Und tat ihm das Schildlein an und in das Schildlein Licht und Recht. | T=4267 B=665 4Mo 18,12 506 - 507 AD [L1545] 12. Alles beste Öl und allen besten Most und Korn ihrer Erstlinge, die sie dem HErrn geben, habe ich dir gegeben. | T=4583 B=981 4Mo 28,7 822 - 823 AD [L1545] 7. Dazu sein Trankopfer, je zu einem Lamm ein Vierteil vom Hin. Im Heiligtum soll man den Wein des Trankopfers opfern dem HErrn. |
| ToK=4584 | T=34 B=34 1Mo 2,3 3728 - 3727 BC [L1545] 3. und segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, darum daß er an demselben geruht hatte von allen seinen Werken, die GOtt schuf und machte. | T=1580 B=47 2Mo 2,25 2182 - 2181 BC [L1545] 25. Und er sah drein und nahm sich ihrer an. | T=2924 B=181 3Mo 8,9 838 - 837 BC [L1545] 9. Und setzte ihm den Hut auf sein Haupt und setzte an den Hut, oben an seiner Stirn, das güldene Blatt der heiligen Krone, wie der HErr Mose geboten hatte. | T=4268 B=666 4Mo 18,13 507 - 508 AD [L1545] 13. Die erste Frucht alles des, das in ihrem Lande ist, das sie dem HErrn bringen, soll dein sein; wer rein ist in deinem Hause, soll davon essen. | T=4584 B=982 4Mo 28,8 823 - 824 AD [L1545] 8. Das andere Lamm sollst du zwischen Abends machen, wie das Speisopfer des Morgens, und sein Trankopfer zum Opfer des süßen Geruchs dem HErrn. |
| ToK=4585 | T=35 B=35 1Mo 2,4 P 3727 - 3726 BC [L1545] 4. Also ist Himmel und Erde worden, da sie geschaffen sind, zu der Zeit, da GOtt der HErr Erde und Himmel machte | T=1581 B=48 2Mo 3,1 S - 2181 - 2180 BC [L1545] 1. Mose aber hütete die Schafe Jethros, seines Schwähers, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe hinter in die Wüste und kam an den Berg GOttes Horeb. | T=2925 B=182 3Mo 8,10 837 - 836 BC [L1545] 10. Und Mose nahm das Salböl und salbete die Wohnung und alles, was drinnen war, und weihete es. | T=4269 B=667 4Mo 18,14 508 - 509 AD [L1545] 14. Alles Verbannete in Israel soll dein sein. | T=4585 B=983 4Mo 28,9 P 824 - 825 AD [L1545] 9. Am Sabbattag aber zwei jährige Lämmer ohne Wandel und zwo zehnten Semmelmehls zum Speisopfer, mit Öl gemenget, und sein Trankopfer. |
Wir sehen, dass die Mitte des Pentateuch (T=2924) mit dem 666. Vers von Numeri vernagelt ist (B=666 in Spalte BdE-D). Drei Nägel in der Mitte, am Sabbat und für den Messais Aaron.
Wer schluckt das? wer trägt dieses Kreuz?
Mt 10,35-42 Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater, und die Tochter mit ihrer Mutter, und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter;/ und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein./ Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert./ Und wer nicht sein Kreuz nimmt und mir nachfolgt, der ist meiner nicht wert./ Wer sein Leben findet, der wird es verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden./ Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat./ Wer einen Propheten aufnimmt, weil er ein Prophet heißt, der wird den Lohn eines Propheten empfangen; und wer einen Gerechten aufnimmt, weil er ein Gerechter heißt, der wird den Lohn eines Gerechten empfangen;/ und wer einen dieser Geringen auch nur mit einem Becher kalten Wassers tränkt, weil er ein Jünger heißt, wahrlich, ich sage euch, der wird seinen Lohn nicht verlieren!
Matthäus wird als erweiterter Bericht des Markus betrachtet, als ob darin die Verarbeitung der Erfahrung Jesu Leben schon weiter fortgeschritten sei. In der Tat stehen wir vor dem Problem, dass vorösterliche Sprüche nachösterlich gelesen und verstanden werden. Dennoch bezeugt sogar Matthäus, dass hier das Kreuz im Sinne der Aussonderung aus der Gemeinschaft betrachtet werden muss. In Israel war die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft Israel Bedingung für das garantierte Leben. Man muss die Denkwelt des Juden verstehen, dass Leben nicht Leben im heidnischen Sinne meint.
Es ist spezifisches Leben. Wenn also der Pfahl des Gottesurteils hier berufen wird, so berührt er die ganze Infragestellung des Begriffs Leben. Leben ist hier nicht materiell zu verstehen, kann aber aus der nachösterlichen Optik so verstanden werden.
Hier aber ist zunächst und hauptsächlich von der Aussonderung aus der Mitte Israels die Rede. Jesu beginnt den Weg mit einer radikalen Infragestellung, die nicht geringer ist als der Satz Gottes an Abraham 'geh aus dem Hause deines Vaters'.
Diese Rede steht im Kontext zum Auftrag an die Jünger, zur Aussendung, und zum Bekenntnis des lebendigen Wortes. Dabei sollen sie das Kreuz der Schande tragen, nicht erst nachösterlich, sondern bevor das Evangelium überhaupt vollendet ist. Man muss dieses Kreuz verstehen, das unter den jüdischen Ohren so verstanden wird: er ist sogar von Gott verflucht. Damit stellt sich die Frage, ist das Kreuz eine nachösterliche Textinterpolation, oder widerspiegelt sie authentische Lehre?
Wo also steht das Kreuz?
Mt 16,21-27 Von da an begann Jesus seinen Jüngern zu zeigen, er müsse nach Jerusalem gehen und viel leiden von den Ältesten, Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage auferstehen./ Da nahm ihn Petrus beiseite, fing an, ihm abzuwehren, und sprach: Herr, schone deiner selbst! Das widerfahre dir nur nicht!/ Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Hebe dich weg von mir, Satan! Du bist mir zum Fallstrick; denn du denkst nicht göttlich, sondern menschlich!/ Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will jemand mir nachfolgen, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!/ Denn wer seine Seele retten will, der wird sie verlieren; wer aber seine Seele verliert um meinetwillen, der wird sie finden./ Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, büßte aber seine Seele ein? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse?/ Denn des Menschen Sohn wird kommen in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln; und alsdann wird er einem jeglichen vergelten nach seinem Tun.
Es wird viel von Jesus dem Zeloten spekuliert. Verkündigt er nicht dem ersten Zitatblock vorangehend den Krieg? Wenn wir diese Zitate lesen, so würden wir vermuten, dass hier auch Rom, oder dessen Vertreter neben den Schriftgelehrten auftauchen sollte. Man hat diese 'Säuberung' des Textes als Propaganda erklärt, damit die Römer, die das Evangelium annahmen, nicht durch Polemik abgestossen würde. Historisch gesehen konnte Jesu auch gar nicht durch jüdische Instanzen getötet werden, da Todesurteile von der Römischen Instanz verhängt wurden.
Jesus als das lebendige Wort Gottes kann aber geistlich durchaus von
den Schriftgelehrten getötet werden. Wieder wird hier gleich wie oben
oben argumentiert.
Petrus interpretiert hier Jesus menschlich. Er denkt also an Jerusalem und an Rom. Daraufhin kommt Jesu Schelte. Es ist interessant zu wissen, dass Jesu nächste Wanderstation der hohe Berg (Hermon) der Berg Dans ist, der Berg des anderen Zion, den man auch Sion nennt, auf dem die Verklärung stattfindet, das allergrösste Ärgernis, für die Jerusalem Zionisten. Hermon ist eine Demonstration gegenüber den Schriftgelehrten. Jesu mangelt es nicht, Beispiele zu geben für die aus den Augen der Schriftgelehrten fluchenswerte symbolischen Taten. In diesem Sinne war sein Leben Martyrium, nicht nur auf dem Schädelberg.
Markus ist in Bezug auf die gewählte Passage ähnlich wie Matthäus, weiss aber noch folgende Ergänzung.
Mk 8,38 Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch des Menschen Sohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.
Seltsam, dass Matthäus diesen Spruch, der das Schwergewicht auf ddas Martyrium legt, nicht übernommen hat. Lukas weiss im Kontext:
Lk 9,22 indem er sprach: Des Menschen Sohn muß viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage auferstehen./ Er sprach aber zu allen: Will jemand mir nachkommen, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach./ Denn wer seine Seele retten will, der wird sie verlieren; wer aber seine Seele verliert um meinetwillen, der wird sie retten.
Ein kleines Wort, dieses täglich, das den ganzen Unterschied klärt. Das Kreuz hatte in der Rede die Funktion des gebannten, des Fluches Gottes vor den Augen der Israeliten, und wird so verstanden. Wie ist es nun mit der werbewirksamen Interpolation? Wenn schon Entschärfung des Textes, dann richtig. Nein, das vorösterliche Kreuz bedeutet den Pfahl des Bannes im Sinne jüdischer Betrachtung. Es hat gerade innerhalb des Kontextes seine Berechtigung, indem die Evangelien einhellig nach dem Spruch die Verklärung Jesu auf dem Berg des Bannes darstellen, die allergrösste Anmassung und Lästerung gegenüber dem Jerusalem-Zionismus.
Jesus wurde im Fluss Dans getauft und auf dem Berg Dans verklärt. Zweimal erschien die Stimme 'du bist mein Sohn, ich habe dich heute gezeugt (bezeugt, erkannt)'. Aber es geht Jesus nicht um eine Bestimmung, was nun das richtige Zion wäre. Denn wenn man nur Glauben hat, so hebt sich der Berg (Hermon-Zion) hinweg, wenn man nur Glauben hat, so verdorrt der Feigenbaum (Jerusalem-Zion). Beides steht in verschiedenen Evangelien nach der Verklärung Jesu. Was für ein Kreuz, ein Pranger, ein Gottesurteil, ein Fluch Gottes, musste dies in den Augen der Schriftgelehrten sein, dass sie zu tilgen trachteten. Und von diesem Kreuz als Zeugnis, als Martyrium sprach Jesu.
Wenn wir nun bei Johannes nach einem ähnlichen Kreuzesspruch suchen, so finden wir ihn nicht. Ebensowenig erzählt er über die Verklärung Jesu auf dem Hermon. Ist dies eine zufällige Auslassung? Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war 'Gott'. Bei Johannes geht es um nichts geringeres als um die Bedeutung, den Inhalt und die Verlebendigung des 'Wortes Gottes' für den Menschen. Er ist der Jünger und seine Schrift ist Zeugnis des Menschen, der das Wort Gott liebt und durch es geliebt wird.
Aber das Wort wurde gekreuzigt. Das Wort, für die Juden YHVH, aber auch die heidnischen Namen wurde am Kreuz der Bedeutungslosigkeit preisgegeben. Vater, Bedeutung, warum hast du mich 'das Wort Gottes' verlassen. Das Kreuz spielt eine zentrale Rolle im Sinne der absoluten Negation des Wortes. Um diese Negation herum lädt Johannes den Menschen, den das Wort lieb hat, ein, Anteil zu nehmen. Johannes Kreuzigung kennen deshalb Elemente, die den Synoptikern fremd sind, die aber ganz im Dienste seines Evangeliums stehen. Hinter dem faktischen des Kreuzes, das bei Johannes im Widerspruch zu den Synoptikern und reklamierter Praxis erscheint, tritt ein grosses Symbol hervor. Keiner hat diesen Wendepunkt so dargestellt, wenn Gott nur ein Wort ist, dessen Leiche man zerschneiden kann (um damit Kriege zu führen). Übrig bleibt das Gewand, das aus einem Stück ist, Sinnbild für den ganzen Sinn. Über dieses wird das Los geworfen. Aber dann spielt sich eine symbolische Parallele ab. Vier Teile, vier Frauen, ein Sinn, ein Jünger, der das Wort lieb hat, und den das Wort lieb hat. Auch Jesus wirft ein Los, indem er Maria dem Jünger zugesellt.
Das Kreuz hat viele Funktionen, wird auf manchen Ebenen gelesen. Es gerade nur als das Kreuz der Hinrichtung zu betrachten, ist die materiellste und erbärmlichste Sache. Mit Gott kann man rechnen. YHVH ist ein Grundbaustein der Kabbala. Das Wort 'Gott' ist ein Rechenapparat. Das Kreuz symbolisiert zweierlei. Es zeigt, dass solcher Art der Mensch getötet wird. es zeigt aber auch, dass so das Wort eigentlich keine Bedeutung mehr hat.
Aus diesem Zusammenhang erklärt sich, dass im NT immer Schriftgelehrte und Pharisäer angeklagt werden. Denn sie töteten nach Meinung der Jesu-Bewegung den Sinn des Wortes 'Gott'. Dieses Wort wieder zu beleben ist hinfort ein Mysterium, das sich zutiefst im Menschen abspielt. Gegenüber der Anklage an die Pharisäer kommt aber auch dies Faktum. Es sind Nikodemus und Josef von Arimathäa, die dieses Wort nicht aufgeben, die ihm doch die ihnen mögliche Liebe schenken. Das Wunder ist dann eigentlich die Auferstehung des Wortes. Das Wort 'Gott' hat in Jesu wieder seine Bedeutung erhalten, beseelt, verlebendigt, mit allen Sinnen fassbar. Wer diese Auferstehung erlebt hat, wer ist wie der Jünger, den das Wort lieb hat, und bleibt, bis er wieder kommt, der weiss, dass am Kreuz nur noch die leblose Hülle eines theoretisch zahlenmagischen Konstruktes über den Namen 'Gott' hängt. Drei Nägel.
Für die Bekenner des Namens Jesu ist es wichtig, ob nun Christus im Fleisch gekommen ist, bzw im fleischigen Fleisch. Entsprechend wichtig ist für sie die materielle Kreuzigung des Menschen Jesu. Das Pharisäische erkennt nicht die Auferstehung des Sinnes des Wortes 'Gott', das zu mehr als Bekenntnissen oder umgehängten Kreuzen führt. Petrus ist das Bild des bekennenden. Auf seiner Leiche wurde das materialistische Rom erbaut.
Rom hat sich geweigert, das Wort anzunehmen. Welches Wort? Das Wort vom verlebendigten Sinn des 'Wortes Gottes' für alle Menschen. Es hat sich geweigert, die Bibel lesbar für alle Menschen zu machen. Es hat sich geweigert, so wie auch die Pharisäer und Gelehrten ihre Rechenkunst über den Namen Gott versiegelten. Wer immer in der Welt auftritt, und versucht, dem Wort Gott wieder lebendigen Sinn einzuhauchen, wird mit Argwohn bis Hass betrachtet. Insofern hat sich die Kirche das richtige Symbol erwählt.
Die Johannes-Briefe sind bekannt dafür, dass sie vor Irrlehren warnen, die sagen, der Christus sei nicht im Fleisch gekommen. Wie soll man diesem Argument begegnen? Eine Quellenscheidungstheorie würde hier ohne Zweifel wirksam sein, aber das Problem nicht beantworten.
Warum ist und war es für das Christentum wichtig, dass die Geschichte um Jesu mehr als eine Allegorie darstellt? Warum muss das Wort, dass das 'Wort Gottes Fleisch wurde', mehr als nur als Sinnbild betrachtet werden?
Es liegen zwei Bedeutungen in diesem Satz. Wenn das Wort Fleisch wird, dann kann es bedeuten, dass ein Wort wie Gott im Menschen mit allen Sinnen begriffen wird, also sich hinter dem Wort die umfassende Bedeutung auftut. Genau diesen Gehalt muss man aber auch auf die biblische Geschichte anwenden. Das Wort Gottes ist in der jüdischen Lehre zutiefst mit der Erfahrung der Geschichte und Gottes Wirken verbunden. Also muss auch die Bibel in Jesu Fleisch werden. Darin beruhen die Bemühungen, Jesu als Erfüllung der Propheten darzustellen. Worauf also Johannes ganz bestimmt hinweist, ist, das Jesu eine historische Person war.
Dies bestimmt ihn als jüdische Figur, wie ihm auch bedeutet wird, dass er zu den Juden zuerst gesandt war. Es grenzt ihn dies ab von einem gnostischen Welterlöser, und setzt die Figur Jesu in die biographische Bibliographie. Jesu will im Zusammenhang mit der Geschichte Israels gelesen werden. Nur innerhalb konkreter Geschichte kann sich dann das abspielen, was der Botschaft Jesu Bedeutung gibt.
Würden wir uns nur um die materielle Existenz Jesu kümmern, so würden wir diese Bedeutung vollkommen übersehen. Und hier endet auch die Autorität jener behaupteten materiellen Beweislast, denn alle materielle Forschung kommt nicht an die Bedeutung Jesu heran, wenn sie nicht den Faktor geglaubte Bedeutung der Schrift zulässt.
Die gnostische Bestreitung des Kreuzestodes Christi entstammt bereits einer aussertestamentlichen Betrachtung eine Erlöservorstellung. Sie argumentiert aus einem Bereich 'den Jesu nicht berufen hat'. Für mich stellen das Pochen auf die reale Existenz Jesu als vollkommen vom Wort Gottes durchdrungen (Salbung) einen Appell dar, Jesu doch bitte im Rahmen der jüdischen Geschichte zu betrachten. Wer von vorneherein die Torah, das Alte Testament leugnet, für den wird auch das Beanspruchen eines Erlösers eine aus jüdische Sicht frevlerische Annexion. Denn erst im Spiegel der jüdischen Geschichte und des jüdischen Glaubens erlangt Jesu sein Bedeutung und seine Erlösungsbotschaft.
Während eine antijüdische Gnosis überhaupt leugnet, dass in der jüdischen Religion das Wort Gottes bestand hat, sieht die Rolle des Wandlers Jesu anders aus, der die Überwindung der Kabbala fordert, um die jüdische Offenbarung, die Lebendigmachung des Einen, zu erneuern, und zu bestätigen. Wenn im jüdischen Glauben Geschichte lebendige Offenbarung von Gottes walten ist, dann ist der Mensch das Gleichnis für diese Erkenntnis von Gottes walten. Man kann sagen, dass Gechichte ebenso Fleischwerdung ist, wie die Salbung Fleischwerdung der Bedeutung des Wortes Gottes bezeichnen kann (wenn man die Salbung nicht nur im Rahmen institutioneller Berufung sieht).
Man kann den Christus nicht von Jesus trennen, sowenig wie man die lebendige Geschichte, die wir im Herzen aufnehmen, von der 'Hagiographie' Jesu trennen können. Christus darf nicht als etwas losgelöstes in diesem Sinne betrachtet werden, es darf aber auch nicht als einmalig begrenzt und damit ausgeschlossen werden für die Nachkommenden. Es ist in allem die Frage, wie dogmatisch wir mit dem Wort Fleischwerdung umgehen.
Vielleicht gilt auch hier ein ganz einfacher Hinweis. An den Früchten kann man einen Menschen erkennen. Wenn das Streben nach Gott bei den manifestierten Namen beginnt, und sich sinnlich erweitern will im Menschen, so ist gewiss von einer Fleischwerdung des Wortes, das mit allen Sinnen begriffen wird, die Rede. Eine solche Begegnung verwandelt den Mensch, und bleibt nach aussen nicht verborgen. Was somit Christus ist, ist keine Frage der Dogmatik, sondern wird von jenen erkannt, die Augen haben.
Spricht die Bibel rein materiell? Dann wäre sie eine arme Bibel. Nein der Mensch sucht immer darin auch das Gleichnishafte, dass den rein materiellen Gedanken sprengt. Ist Christus auferstanden? Wie sagt doch dieser zu Petrus über den Jünger, den das Wort Gottes lieb hat 'wenn ich will dass er bleibt bis ich wieder komme, was geht es dich an...' Ist Auferstehung ein einmaliger Akt, oder ist er damit nicht ein im Menschen, der das Wort liebt, immer wiederkehrender Akt? Vor diesem Hintergrund erhebt sich nicht die Frage 'ist Jesu auferstanden? ' , sondern 'wie häufig wohl ist das Wort Gottes im Menschen auferstanden?'
Es ist damit die Auferstehung im Menschen nicht nur eine dogmatische Glaubensfrage, sondern sie ist eine freie Entscheidung, ob ich es will, dass das Wort Gottes in mir lebendig wird, dass das Wort Gottes nicht eine gekreuzigte leere Worthülse ist, sondern ein Wort das der Fülle hart.
Wenn dem Grabtuch von Turin Widerstand entgegen gebracht wird, so muss der Grund hierfür nicht allein in böswilligem Unglauben liegen. Dieser Widerspruch erhält seine Kraft vielleicht aus einer ganz einfachen Tatsache. Wir wollen frei sein zu glauben. Wir werden weiterhin sagen, na ja, ein langnasiger Gekreuzigter. Aber was will der Pinocchio da eigentlich sagen? Mit den ganzen Verfahren um den Shroudman ist es etwa wie mit dem Bibelcode. Alles entzieht sich dem Menschen und verbleibt in Händen von Spezialisten. Soll ich mir von Spezialisten vorschreiben lassen, wie ich die Welt zu sehen habe, und was Gott für mich sein soll? Dafür brauchen wir kein Christentum, das macht die Welt schon jetzt. So wie jetzt die Lage um die Auferstehung Christi und das Grabtuch ist, droht das ganze zu einem Begräbnis des Geistes zu entarten.
Mai 2001 / April 2003
April 2007: Neu formatiert und eine Anmerkung in der Einleitung
Bild zu 'Johannan' neu kommentiert.
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